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Die eiserne Reserve

Es gibt wahrlich schlimmere Orte für eine „Splendid Self Isolation“ als die schottischen Highlands, als Schloss Balmoral, das Sommerrefugium der Queen.

Unter den Landsitzen der Royals hat Prinz Charles die Abgeschiedenheit in einem Nationalpark im rauen Klima Schottlands gewählt, um dort seine zweiwöchige Corona-Quarantäne zu verbringen. Zeit genug, um sich alle Staffeln von „Game of Thrones“ reinzuziehen, im letzten Teil der Thomas-Cromwell-Trilogie von Hilary Mantel zu schmökern und mit Kilt und Wanderstock Wind und Wetter zu trotzen, auf Kuppen und Hügel zu steigen, um über Gott und die Welt zu sinnieren.

Zeitlebens hat sich der Kronprinz auf seine Rolle vorbereitet. Er hat das Warten verinnerlicht, und er wird 14 Tage locker überstehen – und weitere Jahre als eiserne Reserve des Königshauses.

Apropos Selbstdisziplin: Seine Mutter, demnächst 94, betreibt auf Schloss Windsor business as usual. Mit einem weißen Apparat, Modell 1960er-Jahre, pflegte die Queen – ganz in Pink – ihre wöchentliche Routine und telefonierte mit dem Premier. Wie es ihr denn so gehe? „Fine.“ Und so gab sie Boris Johnson – wie bald auch der Nation in einer TV-Ansprache – wohl den Rat, den sie im Zweiten Weltkrieg beherzigt hat. Zähne zusammenbeißen und weitermachen: „Keep calm and carry on.“ (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2020)