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Elf Jahre Presse am Sonntag

Harald Martenstein: „Charme ist eine Lüge im Schokoguss“

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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„Zeit“-Kolumnist Harald Martenstein hätte lieber einen Wiener mit Schmäh zum Feind als einen Berliner. Auch wenn die Katze draufzahlt.

Dass diese Zeitung originelle Ideen hat, merkt man daran, dass sie einen Deutschen darum bittet, über den Wiener Schmäh zu schreiben. Der führende Schmähexperte Josef Hader muss abgesagt haben, da nimmt man eine etwas günstigere Aushilfe aus dem Ausland. Von Hader habe ich die kürzeste Definition des Schmäh gelernt, nämlich, dass sich im Schmäh das „Charmante“ und das „Verlogene“ paaren. Beides könne ohne einander nicht existieren. Warum? Weil charmante Menschen ja fast immer etwas erreichen wollen mit ihrem Gegurre. Charme ist eine Lüge in Schokoguss, eine verbale Mozartkugel. Die andere Person, sofern nicht völlig verblödet, weiß genau, was man von ihr will. Sie fühlt sich aber auf so angenehme Weise umgarnt, dass sie in diesem Moment bereit ist, jede Lüge zu verzeihen.