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Kommentar

Die Wiener Spielplätze öffnen? Dann doch lieber die Gärten

CORONAVIRUS: SPIELPLATZ
Die Wiener Spielplätze bleiben derzeit leer.(c) APA (ROLAND SCHLAGER)
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Wiens Bürgermeister wünscht sich die Öffnung der Bundesgärten wie Augarten und Schönbrunn. Der Innenminister schlägt vor, dass Wien stattdessen die Spielplätze wieder aufmachen könnte. Wie stellt er sich das vor?

„Der Ein-Meter-Sicherheitsabstand kann Leben retten", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) auf der Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Corona-Krise am Freitag. Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen konnten er und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nicht bekanntgeben, „viel, viel, viel zu früh“, sei es dafür, sagte Anschober. Man muss sich also einrichten im Krisenszustand. Abstand halten, daheim bleiben: Das ist in einem Einfamilienhaus am Land leichter als in der Stadt, wo es schnell eng wird, vor allem für Familien mit Kindern.

Spazieren gehen darf man aber, nur ist auch das nicht immer einfach. Die Wiener Parks sind offen, die Bundesgärten aber zu, dazu gehören in Wien Augarten, Belvederegarten, Volks- und Burggarten und der Schlosspark Schönbrunn. Wer im ersten, Teilen des zweiten oder siebten Bezirk lebt, hat nun noch weniger Möglichkeiten auf Spaziergänge im Grünen. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) verhandelt deshalb mit der Regierung über die Öffnung der Bundesgärten.

Von der gab es bisher weder ein Ja noch ein fixes Nein. Es gibt gute Gründe zu zögern. Man will wahrscheinlich nicht, dass die Menschen sich bei schönem Wetter in den Parks drängen und die Polizei noch mehr Orte zum Kontrollieren hat. Aber wenn dafür umso mehr Menschen in den Prater und den Stadtpark wandern, ist das auch nicht vernünftig. Nehammer schlug eine Alternative vor: „Wien kann sich Erleichterung schaffen, wenn man die Spielplätze öffnet“, sagte er.

Das erstaunt. Als Innenminister hat man vermutlich wenig Gelegenheit, auf Spielplätze zu gehen. Und Nehammers eigene Kindheit in Wien liegt schon länger zurück. Aber wie er sich den lebensrettenden Ein-Meter-Abstand auf einem Spielplatz in einem der inneren Wiener Bezirke vorstellt, dafür braucht es viel Fantasie. Schließlich sind dort Menschen unterwegs, die sich weigern, bei Minusgraden Jacken anzuziehen. Die sich Schokolade zum Mittagessen wünschen. Und die sicher nicht Distanz wahren, wenn ein anderer kleiner Mensch die eigene Lieblings-Sandschaufel benutzt.

Apropos Konflikte: Falls diese Diskussion um die Bundesgärten bloß ein Machtkampf zwischen dem roten Wien und der türkisgrünen Regierung sein sollte, ist eine Forderung angebracht, die man auf Spielplätzen sehr, sehr oft hört: „Hört auf zu streiten!“