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Coronavirus

Scharfe Kritik der Opposition an Reduktion der täglichen Coronatests

Den Neos zufolge werde aktuell weniger getestet als noch vor ein paar Tagen. Das stehe im direkten Widerspruch zu der von Bundeskanzler Sebastian Kurz ausgegebenen Devise „testen, testen, testen“, kritisiert die Opposition. Das Gesundheitsministerium weist die Vorwürfe zurück.

Am Samstagnachmittag ist in Österreich die 8000er-Grenze bei den mit SARS-CoV-2 Infizierten überschritten worden. Das amtliche Dashboard des Gesundheitsministeriums wies um 17.00 Uhr 8068 behördlich bestätigte Covid-19-Erkrankte aus. Die meisten Fälle gab es zu diesem Zeitpunkt in Tirol (1.849), gefolgt von Oberösterreich (1.337), Niederösterreich (1.262), Wien (1.067) und der Steiermark (848). 69 Personen waren mit Stand Samstagnachmittag an Covid-19 gestorben, davon zehn seit Freitag. 839 Erkrankte befanden sich dem Krisenstab im Innenministerium zufolge am Samstag in einem Spital, davon 135 auf einer Intensivstation. Am Freitag hatten sich 800 Infizierte in Krankenhäusern befunden, davon 128 auf einer Intensivstation. Allerdings wurden am Samstag bereits 410 Personen als genesen ausgewiesen - um 185 mehr als am Freitag.

Erstmals wird seit dem Ausbruch der Pandemie in Österreich im 24-Stunden-Vergleich nur ein prozentuelles einstelliges Plus von 8,06 Prozent vermeldet. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will die täglichen Zuwachszahlen in den niedrigen einstelligen Bereich drücken, hatte er am Freitag bekräftigt.

Knapp 43.000 Tests auf Sars-CoV-2 sind bis Samstag in Österreich durchgeführt worden, wobei die Neos errechnet haben, dass die Testzahlen im Verlauf der vergangenen Woche entgegen der von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ausgegebenen Devise ("Testen, testen, testen!") nicht zu, sondern abgenommen haben. Demnach sank die Zahl der Test von 4.962 am Montag kontinuierlich auf 3.198 am Freitag. Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker zeigte sich angesichts dieser Entwicklung "schwer enttäuscht". "Offenbar steigt nur die Zahl an Pressekonferenzen rapide, nicht aber die der überlebenswichtigen Corona-Tests, die essenziell zur Bekämpfung des Virus sind", stellte Loacker fest. Wenn die Regierung schon 15.000 Tests pro Tag verspreche, so erwarte er sich zumindest einen spürbaren Anstieg seit der Ankündigung, nicht aber einen Rückgang.

Heftige Kritik von der Opposition - Ministerium widerspricht

Diese Entwicklung sorgte auch bei der SPÖ und der FPÖ für heftige Kritik. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sprach von einer "Verhöhnung der Bevölkerung". Die Politik von Kurz und Anschober bestehe "aus Tarnen und Täuschen. Die Österreicherinnen und Österreicher werden zum Narren gehalten".

Das Gesundheitsministerium weist die Vorwürfe zurück: "Viele neue kleine Labors, die seit kurzem neu Testungen durchführen, sind noch nicht per Schnittstelle mit dem elektronischem Erfassungssystem verbunden“. Positivtests würden zwar sofort gemeldet, aber die Gesamtmenge der Tests sei oft höher als in der Statistik sichtbar, stellte das Ministerium klar. Wenn Wochenendtests etwa erst am Montag eingemeldet werden, erhöhe das außerdem den Tageswert. Eine Einmeldung sei nicht zwingend synchron zur Testung bzw. Analyse. Daher sei selbst bei einer Kapazitätserhöhung auf Länderebene ein "scheinbarer Rückgang theoretisch möglich".

Zahlen seien "erst über mehrere Tage aussagekräftig", betonte das Gesundheitsministerium. Bedingt durch die Aufarbeitung von Testrückständen könne es zu Schwankungen kommen. Um Unregelmäßigkeiten zu vermeiden, kündigte das Ministerium eine zentrale Einmeldung in das Epidemiologische Meldesystem (EMS) an.

Nicht die einzige Kritik

"Fassungslos" zeigte sich SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher. Er warf der Regierung in einer Aussendung auch "Zögerlichkeit" bei der Beschaffung der für Corona-Patienten wichtigen Beatmungsgeräte vor. Bundeskanzler Kurz habe vor kurzem bei einem deutschen Hersteller für Medizinprodukte 1000 Geräte bestellt, sei aber offenkundig zu spät dran gewesen, so dass jetzt nur 50 Geräte geliefert würden, bezog sich Kucher auf einen Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Kucher verlangte, dass "endlich eine zentrale Beschaffung von der Schutzbekleidung, über die Test-Kits bis hin zu den Beatmungsgeräten funktionieren muss".

Indes war Nachschub zumindest bei medizinischen Hilfsmitteln in Sicht. Für Samstagabend wurde eine AUA-Maschine aus Malaysia mit zehn Millionen medizinischen Handschuhen erwartet. "Die dringend erwartete Lieferung wurde durch den unermüdlichen Einsatz unserer Botschaft in Kuala Lumpur und Botschafter Michael Postl ermöglicht", teilte das Außenministerium mit.

Samstagmittag hatte eine weitere Sondermaschine Österreicher nach Hause gebracht. 71 Einheimische kehrten aus Lima zurück. Wie eine Sprecherin des Außenministeriums erklärte, hatten sich in der nahezu voll besetzen Maschine insgesamt 289 Passagiere befunden. Der Notflug aus der peruanischen Hauptstadt war der mittlerweile 31. Repatriierungsflug im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. "Dieser Notflug ist gelebtes Beispiel dafür, dass die europäische Zusammenarbeit auch in Krisensituationen gut funktioniert. Neben 71 Österreicherinnen und Österreichern konnten wir Menschen aus 16 weiteren EU-Ländern und elf Drittstaaten die sichere Rückkehr nach Europa ermöglichen", stellte Außenminister Alexander Schallenberg fest.

5600 Österreicher heimgeflogen

Bisher wurden - die Maschine aus Lima mit eingerechnet - rund 5600 Österreicher heimgeflogen. Für die kommenden Tage sind weitere Sonderflüge aus Indonesien, Malaysia, von den Philippinen, aus Vietnam, Chile, Argentinien und Australien geplant. Was die Situation der auf den Philippinen gestrandeten Urlauber betrifft, berichtete Außenministerium-Sprecher Peter Guschelbauer am Samstagnachmittag der APA: "Zahlreiche auf den Inseln gestrandete österreichische Touristen konnten heute rechtzeitig vor dem Abflug des morgigen AUA- Repatriierungsflugs mit zwei von der Botschaft organisierten Charterflügen nach Manila gebracht werden. Eine sehr erfolgreiche Aktion und viele sichtlich erleichterte Österreicher, die gerade in Manila angekommen sind und die sich nun auf den Heimflug freuen!" Auf Ersuchen vieler Botschaften hätten sich auch etliche Bürger anderer EU- und Drittstaaten für den Sonderflug nach Europa angemeldet.