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Nach dem Ausnahmezustand: Wie wir wieder aufstehen

Daniel Cronin
Daniel Cronin(c) 2019 dersteinbauer.de
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Es ist ein Vorrecht der Generation Start-up, voll Energie und Optimismus voranzustürmen. In dieser Szene taucht Daniel Cronin (38), Mitbegründer der AustrianStartups.

Daniel Cronin (der Name wird englisch ausgesprochen) hat einen irischen Vater, eine deutsche Mutter und eine kolumbianische Ehefrau. Mit Trennendem oder Grenzen fängt er gar nichts an. Als „glühender Europäer“, denkt er im „Wir“. Wir, das sind wir alle. Spätestens jetzt, sagt er, in der Coronakrise, „muss die Gesellschaft dieses Wir verstehen lernen. Es fehlt uns so“.

Cronins Talent zu Normalzeiten war, mit unerschütterlichem Optimismus junge Gründer auf ihren großen Pitch vorzubereiten. Das trug dem WU Betriebswirt den Beinamen „Pitch-Professor“ ein. Er selbst gründete mehrmals und verantwortet heute so manche Gründung bei den AustrianStartups, wo er Co-Founder und Vorstandsmitglied ist.

Die neuen Helden

Ohne Energie und guten Glauben geht da gar nichts. Eben das braucht die Start-up-Szene, sobald die Coronamaßnahmen gelockert werden. Genau genommen: Das braucht dann jeder. Cronin übersetzt seine Energie in hochfliegende Worte wie „Uns fehlt der Narrativ der sozialer Kohäsion“ und die gleich weiter in greifbare Beispiele: „Überall in den Häusern hängen die Leute jetzt Zettel auf, ‚Ich bin jung und fit, wenn du Hilfe brauchst, ruf mich an!‘“ Das verstehe er unter sozialer Kohäsion. Sie komme zurück, sagt er, sie öffne die Köpfe für jene Werte, die uns abhandenkamen.

Cornins schneller Verstand springt sofort zum nächsten Thema.  Auch der Begriff „Held“ werde nun überdacht, freut er sich. Die neuen Helden, das sind Ärzte und Pfleger, Kassiererinnen, Postboten und Zusteller. Wer brauche da überbezahlte Manager, die ein Hundertfaches ihrer Mitarbeiter verdienten? Warum das nicht ändern?

Also sprach Simon Sinek

Einer von Cronins geistigen Helden ist der britische Autor Simon Sinek. Der postulierte schon 2009, dass die meisten Menschen zuerst über das Was, dann über das Wie und zuletzt über das Warum eines Themas sprechen. Falls sie denn überhaupt ein Warum, einen Grund lieferten. Sinek forderte schon damals die umgekehrte Reihenfolge: erst den Grund, dann das Wie und dann das Was. „Weil alles möglich wird, wenn die Menschen das Warum verstehen“, übersetzt Cronin. Corona sei Dank hätten sie nun ein gemeinsames Warum: „Damit alles besser wird.“

  • Etwa: Warum eLearning? - Damit mein Kind auch in der Quarantäne Bildung bekommt. Vor zwei Monaten hatte noch niemand dieses Motiv, nun macht eLearning es zur neuen Normalität. Welche Chance steckt darin für all die Trainer, Redner und Lektoren, denen die üblichen Aufträge wegbrechen!
  • Oder: Warum europäische Lieferketten aufbauen? - Damit wir weniger von China abhängig sind. Darüber nachgedacht hat so mancher Einkäufer schon vor der Coronakrise, bloß das Motiv zur Umsetzung fehlte. Jetzt ist es da: Welch großartige Gelegenheit für europäische Produzenten!
  • Oder: Warum Digitalisierung? - Damit wir auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig bleiben. Die alten Motive waren Wachstum und Gewinn, jetzt ist Digitalisieren eine Überlebensfrage. Welche Möglichkeiten stecken darin für all die Start-ups, die den Kern des neuen Bedürfnisses adressieren!

„Die Lösungen für die Zukunft müssen jetzt entstehen“, begeistert sich Cronin, „und nicht, wenn alles vorbei ist.“ Start-ups mit ihrer schnellen, beweglichen Denkweise könnten das, er sieht sie deutlich im Vorteil. „Bei uns heißt es, wenn du ein Produkt auf den Markt bringst und dich ein halbes Jahr später nicht dafür schämst, warst du zu langsam.“ Soll heißen: Schnell sein ist wichtig, nicht perfekt. Und Warten geht schon gar nicht.

Zur Person

Daniel Cronin (38) ist Entrepreneur, Lecturer, TV-Presenter und "Pitch Professor". Im Rahmen seiner Ausbildung an der Wirtschaftsuniversität Wien schrieb er seine Diplomarbeit zum Thema Mobile Marketing. Außerdem ist er Gründungsmitglied der Full-Service-App-Agentur allaboutapps (ein Joint Venture von i5invest und runtastic) und berät mehrere Startups. Heute ist er als Co-Founder und Member of the Board bei AustrianStartups für zahlreichen Gründungen mitverantwortlich.