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Quergeschrieben

Die Corona-Toten sind keine abstrakten Zahlen

Wiens Gesundheitsstadtrat, Peter Hacker, mimt dieser Tage die rustikal-folkloristische Austrovariante des britischen Premierministers, Boris Johnson.

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Kannst nicht erfinden“, textete ein Freund auf WhatsApp, als bekannt wurde, dass sich Premierminister Boris Johnson und sein Gesundheitsminister mit dem Coronavirus infiziert haben. „Gesundheitlich wird er das hoffentlich überstehen – politisch ist das nicht unbedingt gesagt“, ätzt der „Spiegel“ über Johnson, der lang auf Herdenimmunisierung der Jungen und Selbstisolierung der Alten setzte und sich ebenso pathetisch wie patriotisch weigerte, Lokale schließen zu lassen: Das widerspreche „dem Recht jedes frei geborenen Engländers, ein Pub zu besuchen“. Nun sind die Pubs zu, Johnson hat eine dreiwöchige Ausgangssperre mit Aussicht auf Verlängerung verhängt: Maßnahmen, die er nach Meinung der Briten viel früher hätte setzen müssen. Weshalb ebenso rasant wie die Zahl der Toten die Kritik an Johnson steigt. Zwar gab es bis Sonntagabend in Großbritannien nur rund 19.500 bestätigte Fälle, aber über 1200 Tote – also mehr als sechs Prozent. Zum Vergleich: In Österreich liegt die Corona-Sterblichkeitsrate bei einem Prozent. Weil auf der Britischen Insel nur sehr spärlich getestet wird, vermuten Experten eine hohe Dunkelziffer an Infizierten.