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Coronavirus

Schutzmasken ab 6. April in Supermärkten Pflicht: Viele Fragen offen

CORONAVIRUS: SUPERMARKT-BESUCH NUR NOCH MIT MASKEN
SymbolbildAPA/HELMUT FOHRINGER
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Mit Mund- und Nasenschutz zum Einkaufen: Was ab Mittwoch schrittweise umgesetzt werden soll ist bald in ganz Österreich verpflichtend. Wer Symtome zeigt, soll Geschäfte nicht mehr betreten dürfen.

Die Bundesregierung regelt per Erlass die neue Pflicht, in Supermärkten einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Ab Mittwoch soll es in ersten Filialen Schutzmasken geben, verpflichtet werden die Gschäfte dann ab 6. April dazu. Filialen, deren Kundenbereich kleiner als 400 Quadratmeter ist, sind davon allerdings ausgenommen, geht aus dem Erlass hervor. Dort gelten weiter nur die bisherigen Hygienevorschriften in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, etwa das Einhalten des Ein-Meter-Abstands.

Der Erlass enthält neben den Vorgaben zu "Schutzvorrichtungen", die eine "mechanische Barriere gegen eine Tröpfcheninfektionen" darstellen, auch die weiteren am Montag angekündigten Vorgaben. Außerdem müssen die Kunden per Aushang/Piktogramm darauf hingewiesen werden, "dass bei Vorhandensein von (nicht näher definierten, Anm.) Symptomen die Geschäftsräumlichkeiten nicht betreten werden dürfen".

Die Mitarbeiter müssen damit Masken und Handschuhe tragen. Den Kunden sind die Mund-Nase-Masken "ab Verfügbarkeit" und "kostenfrei" zur Verfügung zu stellen. Die Kunden dürfen dann nur noch in den Verkaufsraum, "wenn sie mechanische Schutzvorrichtungen tragen".

Haltegriffe der Einkaufswägen sind nach jedem Kundengebrauch zu desinfizieren. Flächen und etwa Griffe von Gefriertruhen müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Der Plexiglasschutz bei den Kassen wird ebenfalls Pflicht. Bei den Kassen müssen Ein-Meter-Markierungen angebracht werden.

Supermärkte planen Masken-Ausgabe

Die neue Maßnahme wirft aber weiterhin viele Unklarheiten auf - insbesondere bezüglich der Organisation der Maskenverteilung in den Geschäften. Eine einheitliche Handhabung ist bisher nicht in Sicht - in den meisten Lebensmittelketten dürfte die Verteilung der Masken wohl auf die Mitarbeiter entfallen.

Beim Diskonter Hofer seien die Masken künftig an den Kassen erhältlich, hieß es. Zudem sei der mehrmalige Gebrauch der Masken durchaus erwünscht. "Wir ersuchen unsere Kunden die MNS-Masken (Mund-Nasen-Schutzmasken, Anm. d. Red.) so oft wie möglich zu verwenden, damit wir eine längerfristige Verfügbarkeit sicherstellen können", hieß es vom Unternehmen. Kunden könnten auch ihre eigenen Masken mitnehmen.

Mehrmalige Verwendung erbeten - Experten skeptisch

Ähnlich sieht man das bei der Billa- und Bipa-Mutter Rewe. "Wir werden niemanden wegweisen, so lange Mund und Nase in der Filiale bedeckt sind," so ein Sprecher. "Unsere Kunden können auch von zuhause mitgenommene bzw. selbst produzierte Masken für ihren Einkauf verwenden - die Verwendung von selbst hergestelltem Schutz aus Stoff, etwa aus Tüchern und Schals, ist ebenfalls zulässig." Auch die mehrmalige Verwendung sei erlaubt und erbeten. Dies merkt auch Lidl an, "ansonsten wird es innerhalb kürzester Zeit zu weiteren Engpässen kommen".

Der Wiederverwertbarkeit von MNS-Masken skeptisch gegenüber stehen jedoch Experten. So betonte der Vizerektor der Meduni Wien, Oswald Wagner, im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio, dies zu unterlassen. "Die Maske aus dem Supermarkt bitte nicht wiederverwenden", meinte Wagner darauf angesprochen. Selbst gebastelte Masken zum Beispiel aus Stoff könnten indes nach einem Waschgang mit 60 Grad wieder benutzt werden, hielt er fest.

Unklarheit über Lieferungen

Wie genau die Masken verteilt werden sollen, ließ Rewe offen. Ein erstes Kontingent an MNS-Masken stehe laut dem Sprecher zur Verfügung, das ab Mittwoch als "Erstausstattung" in den Filialen verteilt werde. Dabei soll nur maximal ein Stück pro Kunde vergeben werden und nur "solange der Vorrat reicht". Man bemühe sich um Nachschub, allerdings seien Schutzmasken derzeit ein knappes Gut und Lieferungen unterlägen Hindernissen wie Grenzsperren, Ausfuhrverboten und Lieferverzögerungen.

Bei Hofer hofft man darauf, dass die Masken-Lieferungen in den kommenden Tagen eintreffen werden. "Bis zu dem Zeitpunkt einer lückenlosen Verfügbarkeit wird es Kunden auch ermöglicht, ohne MNS-Maske in unseren Filialen einkaufen zu gehen", so das Unternehmen. Der Diskonter unterstütze überdies die Vorgehensweise der Regierung, die mit Hofer akkordiert gewesen sei.

„Bis auf Weiteres kostenlos"

Bei Lidl dürfte man etwas überraschter von den Regierungs-Maßnahmen gewesen sein. "Die Anforderungen an den Lebensmittelhandel hinsichtlich der Corona-Krise ändern sich ständig - die Erfüllung führt zu hohen Mehrkosten", heißt es dort. "Nicht alle Forderungen, Wünsche und Erwartungen sind im Hinblick auf die globale Nachfrage nach Schutz-Materialien zeitnah möglich", schreibt der Diskonter weiter. Aber: "Ab morgen werden wir an Kunden, die keinen eigenen Mundschutz haben, erste MNS-Masken verteilen."

Die Erst-Mengen seien noch relativ gering "und werden schnell vergriffen sein". Ab Freitag gebe es dann mehr Material zur Verfügung. Pro Kunde gibt es eine Maske, die bis auf Weiteres kostenlos ist. Auch bei Lidl betont man: Die Masken sollen öfter verwendet und nicht weggeworfen werden, ansonsten wird es innerhalb kürzester Zeit zu weiteren Engpässen kommen", wird Alessandro Wolf, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Lidl Österreich, in der Aussendung zitiert.

Mitarbeiter als Verteilpersonal?

Auch der Lebensmittelhändler Nah & Frisch hatte bereits am Montagabend bekanntgegeben, nicht von den Maßnahmen der Regierung informiert worden zu sein. Es sei sehr schwer, Masken zu bekommen sagte Geschäftsführer Hannes Wuchterl am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal". Wuchterl rechne mit Kosten von knapp unter einem Euro pro Maske. Insgesamt werde die Maßnahme Hunderttausende Euro pro Woche kosten, da voraussichtlich auch Hunderttausende Masken pro Woche benötigt würden.

Laut einer Aussendung des Handelsverbands vom Montag dürften die Händler jeden Tag vier Millionen Masken benötigen. Wer die Kosten am Ende übernehmen soll, sei noch nicht klar - für die Kunden sollen sie jedenfalls gratis sein. Die Verteilung der Masken werde wohl auf die Mitarbeiter entfallen, für Kontrollen beim Eingang gebe es nicht genügend Personal, so Wuchterl.

Auch bei Spar werden die Mitarbeiter mit der Verteilung betraut werden. "Die Masken werden ganz sicher nicht einfach aufliegen," so die Spar-Sprecherin. Damit sollen "Masken-Hamsterer" verhindert und gewährleistet werden, dass jeder Kunde auch nur eine Maske bekommt. Spar habe bis zu 20 Millionen Masken bestellt, berichtete das Ö1-"Mittagsjournal". Zu den Kosten wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Man habe via Handelsverband aber die "Ansage" an die Regierung gerichtet, "dass wir das vergütet bekommen".

(APA)