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Ein Lob dem Home-Office

Über die Freuden der Büro-Einsamkeit.

Seit die Regierung die Quaratänebestimmungen verschärft hat, hat sich mein Büro deutlich vergrößert. Geschätzte 100 Quadratmeter, nur für mich allein. Die KollegInnen sind nämlich alle im Home-Office. Keine Querrufe mehr durch den ganzen Raum, kein Telefongeklingel (auf die Handys umgeleitet), keine lautstarken Gespräche. Heilige Ruhe! Nur ab und zu irritiert ein einsamer Kollege aus dem Nachbarressort. Der hat neuerdings damit begonnen, die Etage abzuflanieren und dabei mit sich zu sprechen. Bei genauerem Hinsehen sieht man ein Headset – aha, er telefoniert. Etwas störend sind auch die Nachrichten der KollegInnen in der WhatsApp-Gruppe. Dort wird man im Live-Stream über Kindererziehung, Kochen, Putzen oder Schneidern (Gesichtsmasken!) am Laufenden gehalten – über alles, was die Leute im Home (-Office) halt so machen. Ich lenke mich dann ab, indem ich die Büropflanzen gießen gehe. Macht ja sonst keiner.

("Die Presse"-Printausgabe, 04.04.2020)