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Hochbegabte

Vom Potenzial zur Höchstleistung

Hochbegabte Kinder werden idealerweise bereits im Volksschulalter identifiziert und gefördert.
Hochbegabte Kinder werden idealerweise bereits im Volksschulalter identifiziert und gefördert.(c) Getty Images (Imgorthand)
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Die Begabtenförderung beginnt schon in der Schule, an Universitäten und FH unterstützen Sonderprogramme und Leistungsstipendien herausragend talentierte Studierende.

Genie ist 99 Prozent Transpiration und ein Prozent Inspiration.“ Wenn Claudia Resch, Geschäftsführerin des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung und Begabungsforschung, Thomas Edison zitiert, lässt sie keinen Zweifel daran, dass ein hoher Intelligenzquotient allein noch nicht der Schlüssel zum Erfolg ist. „Eine hohe Begabung ist ein Potenzial für eine hohe Leistung. Dafür braucht es aber früh ein entsprechendes Lernumfeld, um die Motivation zu fördern.“

Oberösterreich lässt Kinder, die von ihren Schulen aufgrund ihres Entwicklungsvorsprungs dafür nominiert wurden, bereits in der dritten Volksschulklasse auf besondere Begabungen hin testen. Das passiert über den Verein Talente OÖ in Kooperation mit der Bildungsdirektion. Beratung und Coachings für Eltern wie Schüler sind ein Teil des Angebots. Durchschnittlich fünf Prozent einer Altersklasse sind hochbegabt. Während diese Zahl stabil bleibt, steigt die Anzahl der vom Verein begleiteten Talente jedoch. Derzeit sind es 2511 Kinder von der dritten bis zur 13. Schulstufe.

 

Immer früher erkannt

„Hochbegabungen werden immer früher erkannt und von uns durch eine Reihe von Bildungsangeboten in Mathematik und Logik, Sprache, IT und Naturwissenschaften gefördert. Es braucht Begleitung, Ermutigung und viel Herzlichkeit“, sagt Erika Racher, Generalsekretärin von Talente OÖ. Diese Unterstützung sei laut Racher nicht nur für das Ausschöpfen des Leistungspotenzials, sondern auch für die psychische Gesundheit der Kinder relevant. Künftig soll ein Mentoringprogramm mit renommierten Naturwissenschaftlern etabliert werden.

Das Programm „Schüler/innen an die Hochschulen“ ermöglicht es Jugendlichen bereits in der Schulzeit, Lehrveranstaltungen an Universitäten und Fachhochschulen zu absolvieren. Beteiligt sind 20 Bildungsinstitutionen, unter anderem die Universität Graz, die FH Joanneum, die FH Salzburg und die Universität Innsbruck. Pro Semester nehmen rund 70 Schüler teil, der Zugang ist für alle Altersstufen offen. „Sie haben eine unheimliche Motivation, Neues zu lernen. Manche besuchen sogar acht, neun Lehrveranstaltungen“, sagt Petra Siegele vom Österreichischen Austauschdienst, der die Leitung des Programms heuer übernommen hat. Die Prüfungen werden im Studium angerechnet.

 

Programme für Studierende

Mit der neu geschaffenen Studienstiftung unterstützt die Österreichische Akademie der Wissenschaften nach dem Vorbild der Schweiz und Deutschlands begabte Maturanten in ihrem universitären Werdegang. Das Programm wurde im Februar gestartet. In der ersten Ausbauphase der Studienstiftung werden vier Winterschulen angeboten, an denen insgesamt 105 Schüler aus Maturaklassen aus ganz Österreich teilnehmen. Die in die Studienstiftung aufgenommenen Maturanten werden während ihres Studiums – etwa durch individuelles Mentoring – begleitet.

Auch das Österreichische Studienförderungswerk Pro Scientia unterstützt hochbegabte wissenschaftliche und künstlerische Nachwuchskräfte mittels eines Stipendiums und interdisziplinärer Vernetzung.

Das Programm der Technischen Universität Wien „TU the Top“ bietet High Potentials zwei bis vier Semester vor Studienabschluss interdisziplinäre Weiterbildungsmöglichkeiten sowie eine Plattform zum Austausch mit Partnerunternehmen. Die Delta-Akademie an der Montanuniversität Leoben hat sich zum Ziel gesetzt, pro Jahr 24 ausgewählte Studierende als Nachwuchsführungskräfte zu fördern. Das studienbegleitende Zusatzangebot vermittelt unter anderem Fachwissen von Vortragenden der Universität St. Gallen. „Die meisten Förderungsprogramme an Hochschulen setzen erst zu einem späteren Zeitpunkt an. Die WU wollte bewusst eine Förderung für Studienanfänger mit außergewöhnlichen Leistungspotenzialen“, sagt Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger über die „WU Top League“ an der WU Wien. Nach dem ersten Jahr erfolgt eine neuerliche Evaluierung anhand der Studienleistungen, die herausragend sein müssen. Für das Center of Excellence können sich die besten Studierenden der WU-Masterprogramme bewerben.

 

Nicht nur Noten zählen

Neben den Noten zählen Praktika und extra-curriculares Engagement in wohltätigen Organisationen, in der Politik oder im Sport. Aktuell ist die 50. Gruppe aktiv. „Das Besondere ist, dass es kein standardisiertes Angebot gibt, sondern dieses von jeder Jahrgangsgruppe individuell gestaltet wird“, sagt Hanappi-Egger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2020)