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Déjà-vu

Karwoche: Zwischen virtueller Show und realer Teilnahme

Peter Kufner
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Die Karwoche fällt auch in Coronazeiten nicht aus.
Die Krise als Überholspur zu angeblichen Kirchenreformen?

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

Alle Medien haben das Bild gebracht, um damit den Ausnahmezustand, in dem sich die Welt befindet, zu illustrieren: Der Papst mutterseelenallein in der Dämmerung im Regen unter einem Dach (früher wäre es ein Baldachin gewesen) auf dem völlig menschenleeren Petersplatz.

Das Bild beschreibt aber in Wirklichkeit den Normalzustand. Der Pontifex ist nicht einsam, er braucht nicht Zehntausende auf dem Platz vor sich, um gehört zu werden. Er ist der ganzen Welt präsent ohne einen einzigen unmittelbaren Zuhörer. Der Lichtschein unter dem Dach erzeugt sogar eine gewisse Intimität und lässt uns gewissermaßen in sein Arbeitszimmer ein. Die digitale Welt braucht die leibhaftige Anwesenheit nicht mehr, um Verbindung, Nähe und Unmittelbarkeit herzustellen. Der Segen urbi et orbi bezieht immer schon die ein, die unmittelbar vor dem Papst stehen, und die Millionen rund um die Welt.

Genau das ist aber auch das Problem der katholischen Kirche in diesen Tagen. Um Nähe und Unmittelbarkeit zu ihren Gläubigen ringt sie in Österreich und überall, wo das öffentliche Leben stillgelegt wurde. „Die Karwoche fällt nicht aus“, schrieb die Wiener „Kirchenzeitung“ plakativ und trotzig auf Seite eins ihrer jüngsten Nummer.

Gerade in der Fasten- und Osterzeit trifft die Kirche das Verbot von Gottesdiensten besonders hart. Sie kann das Wertvollste, was sie hat, die Liturgie und die Sakramente, nur unter verfremdenden Umständen vollziehen und muss die Gläubigen davon ausschließen. Damit hat sie sich schnell abgefunden, manche Katholiken meinen, zu schnell und eilfertig. Wenn die Bäckereien offen seien und das Parlament arbeite, „warum sollte die eucharistische Liturgie unter Beachtung von entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen nicht auch möglich sein“, fragt der katholische Dogmatiker Jan-Heiner Tück. Diese Wahl gab es aber nicht ernsthaft, wenn sich die Kirche nicht dem Verdacht hätte aussetzen wollen, den Ernst der Lage zu verkennen, die Wissenschaft zu ignorieren und staatliche Gesetze zu unterlaufen.