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Technische Meisterwerk

Wirbelwind am Handgelenk

Ein Breguet-Tourbillon in Großaufnahme.
Ein Breguet-Tourbillon in Großaufnahme.
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Das Tourbillon gilt als die Königsdisziplin in der Uhrmacherei. Dabei ist das technische Meisterwerk heutzutage ein rein optisches Erlebnis.

Der Begriff Tourbillon steht im Französischen für Wirbelwind und diesem Namen wird die Konstruktion auch mehr als gerecht: Mit der Mission die Wirkungen der Schwerkraft auszugleichen und die Ganggenauigkeit zu erhöhen ist der kleine Drehkäfig ständig in Rotation.

Die Idee dazu hatte Abraham-Louis Breguet, der den Tourbillon-Mechanismus am 26. Juni 1801 zum Patent anmeldete. Als Breguet lebte, wurden die Zeitmesser in der Tasche und damit in vertikaler Position getragen. Seine Arbeit stützte sich auf die Beobachtung, dass sich die Schwerkraft negativ auf die Regelmäßigkeit von Uhrwerken auswirkt. Jedes Mal, wenn eine Uhr beim Tragen ihre Position ändert, beeinflusst die Erdanziehungskraft die genaue Zeitanzeige. Um dieses Problem zu lösen, platzierte Breguet die gesamte Hemmung bestehend aus Unruh und Feder, Anker und Ankerrad (also die Bauteile, die am empfindlichsten auf die Schwerkraft reagieren) im Inneren eines mobilen Käfigs, der sich einmal pro Minute um die eigene Achse dreht. Die Störungen werden dadurch aufgehoben. Diese Erfindung war eine technische Meisterleistung, die den Uhrmacher als eine der innovativsten Persönlichkeiten in die Geschichte eingehen ließ.

Der Erfinder des Tourbillon: Abraham-Louis Breguet (1747 bis 1823).
Der Erfinder des Tourbillon: Abraham-Louis Breguet (1747 bis 1823).

Seit der Erfindung des Tourbillon waren natürlich viele Uhrmacher bestrebt, den Mechanismus weiterzuentwickeln. Die berühmteste Variante ist das sogenannte fliegende Tourbillon, das 1920 vom Glashüttener Meisteruhrmacher Alfred Helwig erfunden wurde und in einer Taschenuhr mit der Nummer 3022 debütierte. Diese unterscheidet sich vom klassischen Tourbillon vor allem in seiner Ästhetik: Da sie ohne die obere Lagerbrücke auskommt, ermöglicht es dem Betrachter einen freien Blick auf die raffinierte Konstruktion. Die Lagerung erfolgt also ausschließlich auf der Unterseite des Drehgestells.

In der „Serpenti Seduttori Tourbillon“ schlägt das derzeit kleinste Tourbillon-Uhrwerk.
In der „Serpenti Seduttori Tourbillon“ schlägt das derzeit kleinste Tourbillon-Uhrwerk.

Eine Weiterentwicklung die nicht auf die Taschenuhr referenziert, stammt aus dem Hause Jaeger-LeCoultre. Die Manufaktur aus Le Sentier stellte ihre erste Armbanduhr mit Gyrotourbillon 2004 vor. Im Unterschied zu einem herkömmlichen Tourbillon rotiert der Käfig des Gyrotourbillons dreidimensional. Deshalb gleicht es schwerkraftbedingte Gangabweichungen in sämtlichen Lagen aus, egal ob vertikal, horizontal oder diagonal.

Weitere Varianten: Beim Exotourbillon von Montblanc befindet sich die Unruh außerhalb des Käfigs, sodass man sie prominent auf dem Zifferblatt sehen kann. Roger Dubuis baut in sein Doppeltourbillon gleich zwei Drehgestelle ein, die sich in die jeweils andere Richtung drehen. Und Harry Winston hat vergangenes Jahr mit der Histoire de Tourbillon 10 ein Modell mit gleich vier Tourbillons kreiert.

Glashütte Original widmete diese Sonderedition Alfred Helwig, dem Erfinder des fliegenden Tourbillons.
Glashütte Original widmete diese Sonderedition Alfred Helwig, dem Erfinder des fliegenden Tourbillons.

Bulgari hat sich unterdessen mit Weltrekorden in Sachen Tourbillon einen Namen gemacht: Mit einer Gehäusehöhe von nur 3,95 Millimetern ist die Octo Finissimo Tourbillon Automatic nicht nur das flachste Tourbillon, sondern auch die flachste Automatikuhr der Welt. Anfang des Jahres hat Bulgari auch mt einem Damenmodell nachgezogen: In der „Serpenti Seduttori Tourbillon“ schlägt das derzeit kleinste Tourbillon-Uhrwerk.

Beim Modell Histoire de Tourbillon 10 von Harry Winston sorgen gleich vier Tourbillons für einen gleichmäßigen Gang.
Beim Modell Histoire de Tourbillon 10 von Harry Winston sorgen gleich vier Tourbillons für einen gleichmäßigen Gang.

Aber auch ohne Rekord ist es kaum zu glauben, wie leicht so ein Tourbillonkäfig ist: Er wiegt nicht einmal ein halbes Gramm, obwohl er im Normalfall aus rund 70 Komponenten besteht. Diese werden in mühevoller und mitunter mehrmonatiger Handarbeit montiert und erheben die Komplikation zur Königsdisziplin der Uhrmacherkunst, Auch wenn sie in einer Armbanduhr keinen praktischen Nutzen mehr hat, nimmt das Tourbillon einen festen Bestandteil der Kollektionen fast aller Luxusmarken ein (prominenteste Ausnahme: Rolex), und lässt diese zu den teuersten Uhren der Welt zählen. In der Regel beginnen sie bei namhaften Herstellern bei 30.000 Euro. Also auch beim Preis wird der Wirbelwind seinen Namen gerecht.

Mit einer Gehäusehöhe von nur 3,95 Millimetern ist die Bulgari Octo Finissimo Tourbillon Automatic das flachste Tourbillon der Welt.
Mit einer Gehäusehöhe von nur 3,95 Millimetern ist die Bulgari Octo Finissimo Tourbillon Automatic das flachste Tourbillon der Welt.