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Banken tauschen Gold gegen frisches Geld ein

Banken tauschen Gold gegen
(c) AP
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Der Preis des gelben Edelmetalls geriet zuletzt ins Stocken. Dahinter stecken entweder Probleme von Kreditinstituten oder von Staaten. Die Investoren sind verunsichert. Goldpreis droht Einbruch.

Wien (ker). Mit den Jubelmeldungen über das sichere Gold („Krisenwährung“) könnte es vorübergehend vorbei sein. Der Preis des gelben Edelmetalls geriet zuletzt ins Stocken. Die Investoren sind verunsichert, da europäische Geschäftsbanken bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (kurz BIZ; dieser Bank unterstehen fast alle Notenbanken weltweit) große Mengen von Gold für frisches Geld hinterlegt haben.

Laut dem Geschäftsbericht der BIZ haben die Banken 346 Tonnen Gold für 13 Mrd. Dollar (10,2 Mrd. Euro) eingetauscht. Dabei handelt es sich um Swap-Geschäfte. Bei einem Gold-Swap verkauft die Bank das Gold an die BIZ mit der Vereinbarung, das Edelmetall zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukaufen.

Diese Geschäfte lassen vermuten, dass es auf den Finanzmärkten neue Verwerfungen durch zwei Szenarien geben könnte.

Bloomberg


Probleme von europäischen Banken. Die Goldverkäufe könnten ein Zeichen dafür sein, dass es Anspannungen auf dem Geldmarkt gibt, auf dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Der Euribor (Zinssatz, zu dem sich Eurobanken untereinander Geld leihen) stieg in den vergangenen Wochen stark an. Das verdeutlicht, dass das Geld auf dem Geldmarkt teurer wird.

Ob die Banken deutlich höhere Geldmarktzinsen vertragen würden, könnten die Belastungstests („Stresstests“) zeigen. Diese Tests werden derzeit an den größten europäischen Instituten durchgeführt. Deutsche Banker haben bereits gesagt, dass diese Belastungstests für die Kreditinstitute keine Probleme darstellen.

Auf der anderen Seite kritisieren Experten, dass bei den Stresstests kein ausreichendes Anleihenrisiko berücksichtigt werde. Die Tests dienten also nur dazu, die Investoren zu beruhigen, stellten aber kein wahrheitsgetreues Bild über den Zustand der Finanzinstitute dar, heißt es.


Probleme von Staaten. Das angesprochene Anleihenrisiko besteht vor allem dann, wenn Staaten in Zahlungsschwierigkeiten kommen und die Anleihen nicht mehr bedienen können. Laut Analysten könnten hinter den Gold-Swaps auch Notenbanken stecken und die Geschäftsbanken nur als „Mittelsmänner“ fungiert haben. Staaten, deren Notenbanken Gold an die BIZ verkaufen, könnten in Zahlungsnot sein.

Solche Länder hätten möglicherweise ernsthafte Liquiditätsprobleme, hieß es. Jedes südosteuropäische Land käme dabei infrage, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg zur „FTD“.

 

Gefahr für Goldpreis

Die Investoren sind verunsichert. Denn sollten die Banken nicht fähig sein, die aufgenommenen Milliarden an die BIZ zurückzuzahlen, müsste Letztere das Gold auf dem Markt verkaufen. Es würde ein großer Verkaufsdruck entstehen, wodurch der Goldpreis zurückgehen würde. Die 346 Tonnen Gold entsprechen nämlich zwei Drittel der globalen Goldfördermenge im ersten Quartals 2010.

AUF EINEN BLICK

Europäische Banken tauschten bei der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) große Mengen von Gold für frisches Geld ein. Entweder sie haben Probleme, sich Geld auf dem Geldmarkt zu holen. Oder hinter den Goldverkäufen stecken Staaten, die in Zahlungsschwierigkeiten stecken. Der Goldpreis droht jedenfalls zurückzugehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2010)