Schnellauswahl
Trend

Coronakrise ist die Ära der Roboter

Roboter Pepper
Roboter "Pepper" erinnert die Kunden an die richtigen Verhaltensregeln.APA/DPA/Daniel Bockwoldt
  • Drucken

Die Zeit der Roboter ist gekommen: Zukunftsforscher rechnen wegen der Coronakrise mit einem verstärkten Einsatz der elektronischen Helfer - in Krankenhäusern, Supermärkten und Laboren.

„Halten Sie zu Ihren Mitmenschen einen Sicherheitsabstand ein“, weist ein kleiner weiser Roboter die Supermarktkunden in Lindlar zurecht. „Pepper“, so heißt der Service-Roboter, stammt von einem japanischen Softbank-Konzern. „Kunden finden ihn sympathisch bis süß", sagt Filialleiter Marc-Philipp Stöcker.

In der Coronavirus-Pandemie werden Roboter verstärkt dort eingesetzt, wo sie Menschen Arbeiten abnehmen können, bei denen sich diese anstecken könnten. Das ist vor allem in Krankenhäusern, Laboren und Lagern der Fall. „Ich rechne mit einem starken Schub für Dienstleistungsroboter", sagt Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky. „Die Roboter gibt es alle bereits, aber sie werden jetzt in unseren Alltag rücken."

Hype um Desinfektionsroboter

Zu den größten Anbietern von solchen Service-Robotern weltweit gehört die dänische Firma Blue Ocean Robotics. Ihr Desinfektionsroboter UVD ist in vielen Krankenhäusern rund um den Globus im Einsatz und tötet Krankheitserreger mit ultraviolettem Licht. „Die Nachfrage ist seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie explodiert. Statt eines Wachstums von 400 Prozent erwarten wir nun, dass es noch mal zwei- bis dreimal höher ausfällt", sagt Blue-Ocean-Mitgründer und -Chef Claus Risager. Er habe die Produktion hochgefahren und stelle monatlich 20 neue Mitarbeiter ein. Risager ist der Meinung, dass das Momentum andauert: „Vor der Krise wurden Roboter als ,nice-to-have' angesehen, jetzt versteht jeder ihren Wert."

Um davon zu profitieren und andere Umsatzeinbußen auszugleichen, drücken viele Firmen auf die Tube, entwickeln neue Roboter oder passen vorhandene Geräte an neue Anforderungen an. „Wir werden in den nächsten Wochen viele konkrete Anwendungen sehen, in denen Roboter zum Nutzen der Gesellschaft eingesetzt werden", sagt die Generalsekretärin des Internationalen Roboterverbandes IFR, Susanne Bieller. So entwickelte auch Siemens innerhalb von Wochen einen Desinfektionsroboter. „Die Ideen schießen gerade wie Pilze aus dem Boden. Das hat einiges mit Gründerspirit zu tun", findet Patrick Schwarzkopf vom Maschinenbau-Verband VDMA.

Entwicklung durch Coronakrise eingeschränkt

Die Coronakrise, die einerseits für neue Nachfrage sorgt, stellt die Branche andererseits vor große Herausforderungen. „Schon vor der Krise war das Geschäft belastet. Derzeit sind Fertigung und Entwicklung extrem eingeschränkt", sagt Bieller mit Blick auf den erwarteten Einbruch der Weltwirtschaft, Handelskonflikte und Reisebeschränkungen. Vor Ausbruch der Pandemie rechnete der IFR mit einem Umsatzplus für das Segment der professionellen Serviceroboter von mehr als einem Drittel auf rund 12,6 Milliarden Dollar (11,6 Milliarden Euro). Nachgefragt werden demnach vor allem Roboter für Logistik, Landwirtschaft - und eben Medizin.

In der Krise werden verstärkt Telepräsenzroboter in Krankenhäusern und Pflegeheimen eingesetzt, damit Ärzte und Pfleger weniger direkten Kontakt zu Patienten haben. Andere Roboter messen etwa bei Besuchern die Temperatur. Ganz so weit ist Severin Bobon mit seiner Firma Boka Automation aus Deutschland noch nicht. Er hat eine Art Drive-In für Coronavirus-Tests entwickelt, bei dem ein Roboterarm die Proben entgegennimmt, und hofft nun auf Auftraggeber. „Es gibt keinen zwischenmenschlichen Kontakt, was das Infektionsrisiko auf das Minimalste reduziert", sagt Bobon.

(APA)