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Die Pandemie senkt die CO2-Emissionen nur kurz.
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Umwelt

Was wurde aus der Klimakrise?

Die Pandemie senkt die CO2-Emissionen nur kurz. Umweltministerin Gewessler fordert neue Regeln für das Konjunkturpaket nach der Krise: Geld soll nur fließen, wenn es dem Klima hilft.

Wien. Der verordnete Stillstand in der Coronakrise hinterlässt seine Spuren nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Umwelt. Flugzeuge bleiben auf dem Boden, Autos in der Garage, und Fabriken laufen nur auf Sparflamme. Infolgedessen könnte der weltweite Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) heuer so stark sinken wie zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Ein Minus von fünf Prozent sei realistisch, schätzt das Global Carbon Project. Allein China emittierte zwischen Februar und Mitte März um 250 Millionen Tonnen weniger CO2 als üblich. Das ist drei Mal mehr, als Österreich in einem ganzen Jahr ausstößt. Auch hierzulande sind die Folgen der Krise für Umwelt und Klima bereits messbar: Die Luftqualität in den Städten hat sich laut Umweltbundesamt in wenigen Wochen verdoppelt, der Stromverbrauch sank um 13 Prozent. Doch selbst für passionierte Umweltschützer ist das kein Grund zur Freude. Im Gegenteil.

Denn einerseits ist der Preis für den Einbruch der Emissionen viel zu hoch: Weltweit haben sich mehr als eine Million Menschen mit dem Coronavirus infiziert, Zigtausende sind daran gestorben, die Wirtschaft kam zum Erliegen, Millionen Menschen wurden arbeitslos oder sitzen in der Isolation daheim. Andererseits droht nun auch dem Kampf gegen die Klimakrise eine Zwangspause. So wurde etwa die heurige Weltklimakonferenz in Glasgow auf 2021 verschoben. Die deutschen Autobauer machen bereits Druck auf die EU, angesichts der Coronakrise die geplanten strengeren Klimavorgaben zu kippen, und erhalten dabei Unterstützung von Tschechien und Polen. Es sei leider „absehbar, dass einige Länder ihre Bemühungen zurückfahren“, fürchtet auch die UN-Klimachefin Patricia Espinosa.

Das sei die denkbar schlechteste Reaktion auf die Coronakrise, sagt die grüne Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler zur „Presse“. „Die Pandemie gibt uns einen Vorgeschmack, wie sich Krise anfühlt. Wenn sich die Klimakrise manifestiert, wird das zum Dauerzustand“, warnt sie.

Der momentane Rückgang der CO2-Emissionen sei extrem kurzlebig. Das zeigen auch die Erfahrungen aus der Finanzkrise 2008. Damals bliesen die Staaten zwar um 1,2 Prozent weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre. Ein Jahr danach ging es aber schon wieder um 5,1 Prozent nach oben. Auch jüngere Daten deuten in diese Richtung: In China sind die Emissionen aufgrund der harten Beschränkungen zum Jahresbeginn um ein Viertel gesunken. Mittlerweile ist das Land wieder auf „Normalniveau“. Und da die Wirtschaft versucht, die verlorenen Monate aufzuholen, dürften die Emissionen weiter steigen.

Steuerreform nur noch „Gerüst“

Das heimische Umweltministerium arbeite daher selbstverständlich mit Hochdruck an allen geplanten Gesetzen zum Ausbau des Klimaschutzes und zur Förderung der erneuerbaren Energieträger, versichert Gewessler. Aber auch hierzulande gibt es eine kleine Verschiebung der Prioritäten: Die ökosoziale Steuerreform, bisher als das Kernstück der türkis-blauen Klimapolitik gedacht, tritt etwas in den Hintergrund. „Es ist klar, dass wir nach Bewältigung der akuten Krisensituation zuerst ein Konjunkturpaket brauchen, um Wirtschaft und Arbeitsplätze zu sichern“, sagt die Ministerin.