Philosophie

Vor diesem himmlischen Frieden sei gewarnt

Schön anzusehen, die Hostessen für den Volkskongress. Aber zu viel Harmonie tut der Politik nicht gut.
Schön anzusehen, die Hostessen für den Volkskongress. Aber zu viel Harmonie tut der Politik nicht gut.APA/AFP/FRED DUFOUR
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Zhao Tinyang gilt als intellektuelles Aushängeschild Chinas. In „Alles unter einem Himmel“ entwirft er eine uralte Weltordnung neu, wettert gegen den Westen und spottet über universelle Werte. Schlimm, aber sehr lehrreich.

Was heißt es, tugendhaft zu regieren? Ein Leitfaden aus dem antiken China gibt ein gutes Beispiel: „Auf dem Land Ärzte und Heiler stationieren und hundert Medizinen zur Seuchenbekämpfung bereithalten.“ Ja, das konnten sie dort offenbar schon vor fast drei Jahrtausenden besser. Heute gehört China die Zukunft, es ist auf dem Weg zur stärksten Wirtschaftsmacht. Xi Jinping, oberster Führer auf Lebenszeit, lächelt in die Welt hinaus, hält sich von geopolitischen Konflikten fern und verheißt die Segnungen der neuen Seidenstraße. Nur wenn jemand durch Kritik den himmlischen Frieden stört, sich für Dissidenten, Demonstranten oder Uiguren stark macht, vergeht ihm kurz das Lächeln.

Am Abend, so lautet ein Gerücht, lese er gern in den Werken von Zhao Tingyang. Gewiss lächelnd, denn dieser Philosoph gilt als intellektuelles Aushängeschild Chinas. Er lehrt an der Akademie der Sozialwissenschaften, einer Kaderschmiede, die direkt dem Staatsrat unterstellt ist. In der Wohnung des Weisen türmt sich der philosophische Kanon des Abendlandes, von Plato bis Habermas. Er schlägt Brücken zu einer uns fremden Denkungsart und reißt sie sogleich wieder ein, als heftiger Kritiker des Westens. Jüngst ist sein Hauptwerk „Alles unter dem Himmel“ auf Deutsch erschienen.

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