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Missbrauch: Ex-Leiter der Odenwaldschule gestorben

Odenwaldschule Missbrauch
Archivbild: Odenwaldschule(c) REUTERS (Ralph Orlowski)
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Im Alter von 74 Jahren ist Gerold Becker eines natürlichen Todes gestorben. Er soll Schüler an der deutschen Reformschule missbraucht haben. Der Abt des bayrischen Klosters Ettal wurde hingegen rehabilitiert.

An zahlreichen deutschen Schulen sind in den vergangenen Monaten Missbrauchsvorwürfe bekannt geworden, in zwei Institutionen haben sich nun dramatische Änderungen ergeben: Die Leitung des bayrischen Klosters Ettal wurde vom Vatikan rehabilitiert. Und der frühere Leiter der Odenwaldschule, Gerold Becker, ist gestorben. 

Der 74-jährige Pädagoge starb in der Nacht zum Donnerstag in Berlin, sagte der Vorsitzende des Trägervereins der Schule, Johannes von Dohnanyi. Die Nachricht wurde auf der 100-Jahr-Feier der bekannten Reformschule am Freitag in Heppenheim verkündet. Auch Beckers Lebensgefährte Hartmut von Hentig bestätigte den Tod. Becker sei an einem Lungenemphysem gestorben.

Dohnanyi sagte, der Tod Beckers stelle eine Zäsur für die Reformschule dar. Die Aufklärung der Missbrauchsfälle werde rigoros fortgesetzt. "Wir bedauern es, dass Herr Becker nicht mehr die Zeit hatte, die drängenden Fragen der jungen Menschen, die er sexuell missbraucht hat, zu beantworten", sagte der Journalist. Der Betroffenen der Affäre gedachten die Teilnehmer der Feierlichkeiten mit einer Schweigeminute.

An der renommierten Privatschule sollen über Jahre Schüler sexuell missbraucht worden sein. Becker leitete die Schule von 1969 bis 1985 und gestand in einer Erklärung vom März ein, selbst manche Schüler "sexuell bedrängt" zu haben. Das Strafverfahren gegen den Pädagogen wurde von der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen Verjährung eingestellt.

Ettal: Führung rehabilitiert

Nach dem Missbrauchsskandal im Benediktinerkloster Ettal hat der Vatikan die zurückgetretene Führung rehabilitiert. Der Präfekt der Kongregation für Ordensleute, Kardinal Franc Rode erklärte, Abt Barnabas Bögle und Prior Maurus Kraß hätten keine Meldepflicht verletzt. Der Abt habe "alles getan, was von der Sache her geboten war", heißt es in einem Schreiben Rodes, das das Kloster Ettal am Freitag vorlegte. Dies sei das Ergebnis einer apostolischen Visitation vom 15. bis 24. März in Ettal.

Bis zum 31. Juli soll in Ettal ein neuer Abt gewählt werden. Einem Antreten von Bögle oder Kraß stehe nichts entgegen, erklärte Rode. In Kirchenkreisen wird erwartet, dass es dazu kommt.

Abt Bögle trat am 24. Februar auf Druck der Erzdiözese München zurück. Einen Tag später folgte Kraß. Das Münchner Ordinariat warf Bögle damals vor, gegen kircheninterne Richtlinien im Umgang mit sexuellen Missbrauchsfällen verstoßen zu haben. Er habe Verdachtsfälle nicht an das Ordinariat gemeldet. Im Schreiben Rodes heißt es nun, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx habe keine Bedenken gegen eine mögliche Wiedereinsetzung von Bögle oder Kraß.

Erzbistum: "Akzeptieren Entscheidung Roms"

Beim Erzbistum klingt das etwas anders: "Trotz unterschiedlicher Auffassungen bei der Frage der Einhaltung der Meldepflicht akzeptieren wir selbstverständlich die Entscheidung Roms", sagte Sprecher Bernhard Kellner. Bögle und Kraß hätten öffentlich erklärt, sie seien zurückgetreten, weil die Vorgänge im Kloster "nach einer grundlegenden geistlichen Erneuerung" verlangten. Sie hätten um eine "Zeit der inneren Einkehr und Selbstbesinnung" gebeten, um sich neu zu orientieren. "In diesem Sinne ist eine Rückkehr der beiden in ihre Ämter vorstellbar - nach Abschluss aller offenen Fragen im Umgang mit Missbrauchsfällen", erklärte Kellner.

Im Verlauf der Aufklärung des Missbrauchsskandals in Ettal gab es Spannungen zwischen Erzdiözese und Kloster. Dem Erzbistum war die Aufarbeitungsbereitschaft der Benediktiner offenbar nicht groß genug. Das Kloster Ettal liegt zwar im Bereich der Erzdiözese, ist dem Erzbischof aber nicht unterstellt.

In Ettal wurden einem Sonderermittler zufolge von 1953 bis in die jüngste Vergangenheit mehr als 100 Internatsschüler misshandelt, einige davon auch sexuell. Als Täter wurden 15 Mönche benannt, darunter auch ein ehemaliger Abt. Der Großteil der Fälle liegt allerdings lange zurück.

(Ag.)