In einem Großversuch wollten 160 Forscherteams durch Algorithmen und Big Data die Lebenswege von Kindern prognostizieren – und scheiterten krachend. Warum?
Bin ich der Gestalter meines Lebens? Schlage ich meinen selbst gewählten Pfad in die Zukunft? Oder ist er mir vorgezeichnet, durch Herkunft, Kindheit, Charakter? Diese Fragen durchziehen die Weltliteratur. Aber längst haben es Psychologen und Soziologen übernommen, unsere Lebenswege durch die Umstände zu erklären, mit den Waffen der Statistik und gewaltigen Arsenalen emsig gesammelter Daten.
Dann treten die Algorithmen ans prophetische Werk. Sie klären auf: Ob ich mich in einem Job bewähren oder einen Kredit zurückzahlen würde, welche Erfolgschancen eine Partnerschaft hätte und ob ich ein Verbrecher bin. Die Tat ist noch nicht begangen, aber der Täter schon gefasst: Die düstere Zukunftsvision im Film „Minority Report“ fußte noch auf angezapften Gehirnen von Hellsehern. Heute setzen wir für voraussagende Polizeiarbeit Big Data und künstliche Intelligenz ein. Welch heikle Probleme juristischer und moralischer Art sich dabei auftun, zeigt schon die Debatte über die Sicherungshaft. An das große Potenzial der Prognose glauben freilich die meisten. Aber dieser Glaube ist nun durch einen Großversuch massiv erschüttert worden (Pnas, 14. 4.).