Gewerbeimmobilien: Situation bleibt angespannt

Gewerbeimmobilien Situation bleibt angespannt
Gewerbeimmobilien Situation bleibt angespannt(c) EPA (MICHAEL REYNOLDS)
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Auf dem Weg der Besserung? Im ersten Halbjahr 2010 erholten sich die Märkte. Es könnten aber noch Stolpersteine auftauchen. Zum Beispiel in China.

Stehen die Zeichen auf Erholung oder Eintrübung für die gewerblichen Immobilienmärkte dieser Welt? Derzeit deutet einiges auf eine Besserung der Lage hin, es gab in der ersten Jahreshälfte 2010 einen leichten Aufschwung, meint Thomas Beyerle, Chef-Researcher bei Aberdeen. Wie es weitergeht, ist allerdings offen. Denn: „Noch nie standen einander so viele Indikatoren, die auf Erholung beziehungsweise Eintrübung hinweisen, so dicht gegenüber – und vor allem so unkorreliert“, berichtet der Experte. Auf alle Fälle bleibe die Situation weiterhin angespannt, zurückzuführen sei dies auf drei wesentliche Faktoren: „Auf den globalen Schuldenaufbau, auf noch nicht erfolgte Wertkorrekturen, auf die ,Flucht‘ in Core-Assets“, also in Top-Produkte eines Marktes.

Asien: Nicht alles überhitzt

Punkt zwei, noch ausstehende Wertkorrekturen sorgten Anfang dieser Woche („Die Presse“ berichtete) für Schlagzeilen. Kenneth Rogoff, früherer IWF-Chefökonom, warnte vor einem Zusammenbruch des chinesischen Immobilienmarktes. Der startende Kollaps werde auch dem Bankensystem zu schaffen machen.

Tatsächlich seien auf den chinesischen Wohnungsmärkten zum Teil deutliche Überbewertungen zu erkennen, mit einer Abkühlung in den nächsten Quartalen sei zu rechnen, sagt Tobias Just, Head of Sector and Real Estate Research der Deutsche Bank AG. „Dies wird natürlich auch makroökonomisch belastende Rückwirkungen haben. Nicht nur auf China, sondern auf die ganze Region.“ Weitere Risikofaktoren: erste Verspannungen, die sich auf den chinesischen Büromärkten bemerkbar machen. Und, sollte das zuletzt in China vielerorts zu stark gewachsene Bauangebot zurückgefahren werden, hätte dies zusätzlich gesamtwirtschaftliche Auswirkungen. Allerdings gebe es auch einige Pluspunkte. „Nicht alle asiatischen Wohnungs- und Büromärkte scheinen überhitzt zu sein. Das Phänomen beschränkt sich bislang im Großen und Ganzen auf China mit Hongkong und Singapur“, berichtet Just. Und außerdem setze die chinesische Regierung gerade aktiv Maßnahmen, die zu einer Abkühlung führen sollen, um spätere gravierende Verzerrungen zu vermeiden. Insofern sei dies dann eher ein „geplantes Deflationieren einer Blase als ein plötzliches und ruckartiges Platzen“, so Just. Letzteres sei beim derzeitigen Stand zwar auch nicht auszuschließen, aber angesichts der Maßnahmen der Regierung unwahrscheinlicher als in den USA oder Spanien.

Insgesamt aber ruhen die Hoffnungen von Immobilienexperten auf der asiatisch-pazifischen Region. „Der Raum ist über den Zeitraum der Rezession hinweg gewachsen und beheimatet mittlerweile zehn der 15 größten börsenotierten Immobiliengesellschaften (nach Marktkapitalisierung)“, heißt es in einer Analyse der Immobilienmärkte des ersten Halbjahres 2010 von Jones Lang LaSalle. Und Beyerle ortet sogar erste Anzeichen für einen „Paradigmenwechsel in der globalen Immobilienweltordnung“: Für einen Wachstumszuwachs müsse man auf die Emerging Markets hoffen. „Vor allem die asiatischen Immobilienmärkte werden uns auf die Wachstumspfade zurückführen.“

Europa: Tafelsilber wird verkauft

Bei den anderen, auch europäischen Märkten, hingegen ist – als Reaktion auf die Stimuluspakete, die zur Stabilisierung der Finanzmärkte geschnürt wurden – in den nächsten Monaten mit Sparpaketen zu rechnen, so Beyerle. Ein mögliches Resultat dieser Entwicklung: Es werden vermehrt staatliche beziehungsweise kommunale Immobilien auf den Markt kommen: „Die Tafelsilber-Geschichte ist zurück.“ Insgesamt wurden im ersten Quartal 2010 19 Milliarden Euro in die europäischen Gewerbeimmobilienmärkte investiert. Ein Plus gegenüber dem Vorjahr – im Vergleich zu den vergangenen Jahren aber noch immer ein recht niedriges Niveau.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2010)


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