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Psychologie

Videochats gegen die Einsamkeit

Digitale Kommunikationsmittel können Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter beim Überwinden der Isolation helfen.(c) REUTERS (YVES HERMAN)
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Sicherheitsbedenken sollen Senioren nicht von digitalen Kommunikationsmitteln abhalten.

„Einsamkeit und soziale Isolation waren schon vor Corona ein Problem, das durch die zusätzliche Bedrohung noch akuter wird“, betont Janina Müller. Die Gesundheitspsychologin der Uni Klagenfurt untersuchte, ob und wie digitale Kommunikationsmittel älteren Menschen beim Überwinden der Isolation helfen. Die Zahl der Einpersonenhaushalte lag im Jahr 2018 in Österreich bei 1,46 Millionen Menschen, davon waren 33 Prozent über 65 Jahre alt. Diese Altersgruppe ist besonders häufig von sozialer Isolation betroffen: Gründe sind etwa der Verlust von geliebten Personen, Umzüge, sich auflösende Familienstrukturen oder Erkrankungen. „Auch mangelnde Mobilitätsangebote sowie Einschränkungen körperlicher oder finanzieller Art können Ursachen für den Verlust an sozialen Kontakten sein.“

Fördert Gesundheit

Müller befragte – gefördert vom Wissenschaftsministerium – 397 Personen zwischen 18 und 97 Jahren und fand heraus, dass Senioren zwar grundsätzlich offen für digitale Kommunikationstechnologien sind. „Aber viele äußerten Sicherheitsbedenken und Sorgen zu technischen Schwierigkeiten.“ Die Befragten, die Videochat und -telefonie häufiger nutzten, hatten tendenziell mehr soziale Kontakte – was sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auszuwirken scheint. Für die aktuelle Situation empfiehlt Müller den Familien, Kontakt zu halten: mit digitaler Kommunikation genauso wie über Briefe, Telefon oder Gespräche durch das geöffnete Fenster.

Die Abteilung für Gesundheitspsychologie der Uni Klagenfurt (Leitung: Heather Foran) hat nun ein übersichtliches Informationsportal mit digitalen Materialien für alle Altersgruppen - von Kindern, über Familien bis zu Senioren - zusammengestellt: corona.health-aau.at/
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2020)