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Die Gewinner des "World Press Photo" 2020: Poesie im Protest

Das Bild heißt "Straight Voice".
Das Bild heißt "Straight Voice".(c) AFP/ YASUYOSHI CHIBA
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Das Siegerbild zeigt einen jungen Mann im Sudan; im Schein vieler Handy-Lampen trägt er Gedichte vor. Die Sieger und die Nominierten des Bewerbs 2020.

Ein Moment der Poesie mitten in den blutigen Protesten im Sudan ist zum "World Press Photo" 2020 gewählt worden. Das Siegerbild "Straight Voice" zeigt einen jungen Mann, der im Juni 2019 mitten in einer Gruppe von Demonstranten und im Schein vieler Handy-Lampen Gedichte rezitiert. Der japanische Fotograf Yasuyoshi Chiba erhält den mit 10.000 Euro dotierten Preis, teilte die Jury am Donnerstag mit.

Chiba hatte das Foto für die französische Nachrichtenagentur AFP in der Hauptstadt Khartoum aufgenommen. "Dieser Moment war der einzige friedliche Gruppen-Protest, den ich in dieser Zeit miterlebt hatte", sagte er. Präsident Omar al-Baschir war nach fast 30 Jahren an der Macht vom Militär gestürzt worden. Nach heftigen Protesten einigten sich im Juni Streitkräfte und Oppositionsbewegung auf eine Übergangsregierung.

Die Jury zeichnete außerdem eine Serie über die Unruhen in Algerien des französischen Fotografen Romain Laurendeau als beste "World Press Photo"-Story des Jahres aus. Die Serie "Kho, die Entstehung einer Revolte" zeige das tiefe Unbehagen der Jugend, erklärte die Jury.

Laurendeau hat jahrelang Jugendliche in Algerien begleitet. Im Bild: Freunde beim Fernsehen.
Laurendeau hat jahrelang Jugendliche in Algerien begleitet. Im Bild: Freunde beim Fernsehen.Romain Laurendeau

Auch zwei Fotografen der Deutschen Presse-Agentur wurden ausgezeichnet. Der Algerier Farouk Batiche, der die Studentenproteste in Algerien festgehalten hatte, gewann den ersten Preis in der Kategorie Spot News Singles. Und Oliver Weiken erhielt den dritten Preis für eine Serie über einen Terroranschlag in Kairo in der Kategorie Spot News Stories.

In der Kategorie zeitgenössische Themen gewann bei den "Einzelfotos" eine Aufnahme des russischen Fotografen Nikita Teryoshin. Der Titel "Nothing Personal – the Back Office of War".

(c) World Press Photo/ Nikita Teryoshin

Nikita Teryoshin besuchte die Waffenmesse Idex in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten und blieb bis zum Schluss: Am Ende eines Messetages räumt hier ein Businessmann Panzerabwehr-Granatwerfer weg. 105.000 Besucher zählte die Messe, darunter waren auch Verteidigungsminister und hochrangige Militärs. Die angebotenen Waffen werden auch bei Kriegsinszenierungen vorgeführt.

Rund 4.300 Fotografen aus 24 Ländern hatten sich mit fast 74.000 Fotos beteiligt. Die Jury vergab 44 Preise in mehreren Kategorien. Die Fotos sollen in einer großen Ausstellung in zahlreichen Ländern zu sehen sein. In Wien wird die "World Press Photo"-Ausstellung mit allen Gewinnerbildern von 11. September bis 8. November 2020 in der Galerie WestLicht gezeigt. Wegen der Corona-Krise wurden in diesem Jahr alle Gewinner nur online benachrichtigt. Die traditionelle zentrale Feier in Amsterdam fiel aus.

Mehr Bilder: Die Nominierten

 

 

(APA/dpa/red.)