Schon wieder wird eine Gelegenheit zur Transportverlagerung vertan.
Mitten in der schweren Krise gibt es auch positive Nachrichten. Zum Beispiel diese: Die Pünktlichkeit der in diesem Punkt notorisch unzuverlässigen Deutschen Bahn ist seit dem Covid-19-Ausbruch im Passagierverkehr dramatisch gestiegen. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass der größte Störfaktor im Betrieb wohl die jetzt ausbleibenden zahlenden Gäste waren. Jeder Gast eine Last, wie es eine alte österreichische Gastronomenweisheit so prägnant formuliert.
Oder diese: Während der Welthandel und mit ihm das globale Transportvolumen dramatisch einbricht, bleibt dieses auf der Eisenbahn-Seidenstraße zwischen China und Europa einigermaßen stabil. In den ersten beiden Monaten dieses Coronajahrs gab es sogar eine schöne Volumensteigerung. Auch eine neue Bahnverbindung aus Shenyang in China nach Enns in Oberösterreich wurde Anfang April neu aufgenommen. Ganz ohne milliardenteure Breitspurverlängerung, merken wir an.
47.000 Container wurden per Bahn im Jänner und Februar von China nach Europa gebracht. Womit wir schon wieder auf dem Boden der Realität sind: 47.000 Container klingt nach viel, ist aber die Ladung von lediglich sieben bis zehn großen Containerschiffen. In zwei Monaten. Obwohl die chinesische Regierung jeden Container auf dieser Strecke sehr hoch subventioniert. Die Seidenstraße ist ja schließlich eines der wichtigsten außenpolitischen Projekte des aufstrebenden Riesenlandes.
Aber immerhin: Es geht aufwärts. Eigentlich müsste die Güterbahn jetzt ja auch in Europa der große Gewinner der Coronakrise sein. Man stellt sich das so vor, dass die Laster an den geschlossenen Grenzen stehen, während die Güterzüge durchrauschen.