Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Missbrauch: Klasnic stellt weitere Anzeige in Aussicht

ARCHIVBILD: OPFERANW�LTIN WALTRAUD KLASNIC
(c) APA/HANS KLAUS TECHT (Hans Klaus Techt)
  • Drucken

Die Opferanwältin deutet einen neuen großen Missbrauchsfall an. In Sachen Schulbrüdern gehe es angeblich um rund 20 Opfer. Der Großteil betreffe aber Gewalt und nicht sexuellen Missbrauch.

Die von der Kirche eingesetzte Opferanwältin Waltraud Klasnic stellt für die nahe Zukunft eine weitere Anzeige in Aussicht. "Es ist noch nicht so weit, aber da kommt sicher noch etwas", sagte sie am Samstag im Ö1-"Mittagsjournal". Zuletzt hatte die Kommission unter Klasnic' Vorsitz ihre erste Sachverhaltsdarstellung eingebracht, und zwar gegen den Orden der Schulbrüder. Informationen aus der Kommission, dass es sich um insgesamt 20 Opfer, und zwar an den Standorten Wien-Strebersdorf und Bad Goisern, handle, die vornehmlich Gewaltvorwürfe erhoben haben, wollte sie nicht kommentieren, da sie zu Einzelfällen keine Stellung nehme.

Kommende Woche habe sie dazu einen Termin bei der Staatsanwaltschaft, kündigte Klasnic an. In Absprache mit den Betroffenen werde sie dabei "alle Fragen beantworten". Vor allem ein Betroffener hatte in den vergangenen Tagen große Aufmerksamkeit in den Medien gehabt, da sein Fall bereits schon einmal gerichtsanhängig war, das Verfahren aber eingestellt wurde. "Die Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft ist nicht auf diesen Fall konzentriert - es geht um Fälle", hielt Klasnic aber fest. Von Seiten der Schulbrüder war die Sachverhaltsdarstellung als "völlig nebulos" bezeichnet worden. Auch die Behörde selbst hatte sie für "sehr vage" befunden.

Neue Anzeige wird noch abgeklärt

Für die neue Anzeige "muss man noch etwas klären", aber grundsätzlich sei fix mit ihr zu rechnen. Hier gehe es nicht um die Schulbrüder, sagte Klasnic, nannte aber keine weiteren Details. Gegenwind aus der Kirche verspüre sie übrigens nicht, versicherte sie. Die Kommission gehe bei Entscheidungen über Anzeigen nach den Richtlinien vor und im Einvernehmen mit den Opfern.

Ein Großteil der an die Anwaltschaft herangetragenen Fälle - rund 300 - liegen bereits "länger als 20 Jahre" zurück. Und "es ging nicht nur um Priester, sondern auch um Nonnen", berichtete Klasnic. Hier läge der Schwerpunkt allerdings auf "Gewalt und der Behandlung von Kindern, die sich nicht wehren können, in einer Form, die sie ein Leben lang nicht vergessen können". Klasnic appellierte an mögliche Betroffene, sich zu melden, "im besonderen noch im Laufe des heurigen Jahres. Nicht, dass wir aufhören, aber damit wir einen Überblick haben." Eine Gesamt- oder gar Maximalsumme für Entschädigungen sei "nicht das Thema", versicherte sie.

Mit dem Anwalt Werner Schostal - er hatte im Namen von 131 Opfern bis zu 130.000 Euro Schadenersatz pro Person gefordert - habe es ein erstes Gespräch gegeben, im Oktober soll ein weiteres folgen. "Es geht um ein gemeinsames Vorgehen", so Klasnic. Wobei für sie klar ist: "Wenn man sich des Opfers annimmt, dann hat man für verjährte Fälle das Angebot der Kommission anzunehmen, weil es kein anderes geben wird."

Weitere Vorwürfe gegen Schulbrüder

Die Schulbrüder wurden unterdessen mit weiteren Missbrauchsvorwürfen konfrontiert worden. Provinzial Johann Gassner bestätigte am Samstag, dass es eine "Anschuldigung" gegen einen früheren Religionslehrer gebe. Dieser wurde laut ORF-Radio bereits 2005 verurteilt. Der Orden beklagte aber im Gegenzug ein weiteres Mal die Vagheit der Vorhaltungen. Die Opferschutzkommission lasse es hier an Transparenz vermissen, sagte Provinzial Johann Gassner.

Ö1 verwies auf die Verurteilung eines Wiener Priesters im Jahr 2005 wegen sexuellen Missbrauchs. Dieser sei in den 1980er Jahren auch als Lehrer in Strebersdorf tätig gewesen, einer der missbrauchten Buben dort Schüler. Gassner bestätigte der APA, dass eine entsprechende "Anschuldigung" durch einen Rechtsanwalt im Juni eingegangen sei. "Der Priester war zwischen 1984 und 1987 bei uns. Wir haben gehört, dass es 2005 eine Verhandlung gegeben haben soll. Ich weiß allerdings bis jetzt nicht, ob bei dieser damaligen Verhandlung auch Fälle von unserer Schule dabei waren." Das Anwaltsschreiben deute allerdings darauf hin. Er habe es denn auch "absolut sofort und umgehend" an die Kommission weitergeleitet.

Im Ö1-"Morgenjournal" kam zudem ein heute 51-Jähriger zu Wort, der von einem Übergriff in seiner Zeit als Internatsschüler bei den Schulbrüdern durch einen Religionslehrer berichtete. Er habe sich nun an die Schule gewandt, und dort habe man ihm abgeraten, sich an die Opferschutzanwaltschaft zu wenden, so der Betroffene. "Kommen Sie einmal vorbei, man kann über alles reden", sei ihm beschieden werden. Eine Darstellung, die Gassner zurückweist: Ein Mitbruder habe mit diesem früheren Schüler gesprochen, bestätigte er. Doch ihm sei "explizit" empfohlen worden, zur Kommission zu gehen. Da aber der nämliche Priester - "ein Weltpriester, kein Ordenspriester", hielt Gassner fest - bereits verstorben sei, habe der Betroffene darin keinen Sinn gesehen.

Gassner beteuerte einmal mehr, dass die Schulbrüder an einer raschen und vollständigen Aufklärung aller Vorwürfe interessiert sei. Doch was von der Klasnic-Kommission "weitergetragen wird an die Staatsanwaltschaft, das ist auch nebulos". Die Aussagen der Kommission seien nicht präzise genug, "wir wissen oft nicht genau, welche Vorwürfe erhoben werden". Hier müsse "Klartext" gesprochen werden.

Den Missbrauchsvorwurf gegen den in der Öffentlichkeit mehrmals angesprochen Bruder P. weist der Orden weiterhin vehement zurück. Keine sexuellen Übergriffe, aber gewalttätige Erziehungsmethoden will der im ORF-Radio zitierte Betroffene durch ihn erlitten haben: Er sprach wörtlich vom "sadistischsten Erzieher, den ich je erleben musste". P. entschuldige sich für "inadäquate Erziehungsmethoden", die Bezeichnung als Sadist aber "kann er und können wir nicht nachvollziehen", schrieben dazu die Schulbrüder in einer Aussendung.

(APA)