Bernhard Ludwig: Ein Tag essen, ein Tag Sex

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Ludwig(c) Clemens Fabry

Der Kabarettist Bernhard Ludwig schwört auf seine 10 in 2-Diät. Er isst nur jeden zweiten Tag und hat damit 20 Kilogramm abgenommen.

Essen ist der Sex des Alters. Bernhard Ludwig kann mit dieser Weisheit wenig anfangen. Immerhin trennt er beides streng – und zwar täglich. Seit 16 Monaten lebt er nach seiner „10in2“-Diät. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich ein einfaches Konzept: an einem Tag wird gegessen (1), am nächsten Tag nicht (0). Beides passiert innerhalb von zwei Tagen (in2). Am Nicht-Ess-Tag rät Ludwig zu moderater Bewegung, zum Beispiel Sex oder Minigolf. In seinem gleichnamigen Kabarett-Programm predigt Ludwig diese Diät schon länger. „Ich habe das schon vor fünf Jahren erfunden, mich aber nicht getraut, es auszuprobieren, weil die Schamanen sagen, dass es die schwierigste Sache der Welt ist. Es ist aber die einfachste“, meint der Kabarettist.

Ausschlaggebend für den Selbstversuch war sein Publikum. Die Erfolgsberichte der Abnehmwilligen haben ihn dann doch neugierig gemacht. Einer von ihnen ist Erwin Haas, der nun gemeinsam mit Alma Sonnleitner und Bernhard Ludwig das Projekt „10in2“ inklusive Website und Facebook-Gruppe leitet. Seit November 2008 lebt der Webdesigner nach der „10in2“-Methode und hat von 114 auf 88 Kilogramm abgespeckt.

„Schwierig war nur die Überwindung, es zu machen. Die ersten drei Tage waren hart. Aber im Kopf, nicht für den Körper“, sagt Haas. In den ersten Wochen hat er täglich kiloweise Äpfel und Karotten ausgepresst. Mittlerweile trinkt er an den Nicht-Ess-Tagen nur noch Wasser und hin und wieder abends ein Bier. Im Gegensatz zu früher isst er an den Ess-Tagen nicht mehr als vor Beginn der Diät. Der gefürchtete Jo-Jo-Effekt stellt sich dabei nicht ein. Dafür ist der eine Tag Futterpause wiederum zu kurz.

Haas meint, dass sein derzeitiges Single-Dasein die Methode unterstütze. Immerhin ist es nicht leicht, der Freundin beim Essen zuzuschauen. Bei Partys setzt er entweder einen „Jokertag“ ein – er nimmt es einmal nicht so genau mit der Reihenfolge. Oder er zieht die Sache durch: „Dann steht man vor dem Buffet und ist der Party-Mittelpunkt, weil jeder wissen will, warum man nicht zugreift.“

Der Großteil der Menschen, die nach dieser Methode leben – die Facebook-Gruppe zählt derzeit rund 500 Mitglieder – beginnt mit „10in2“, um abzunehmen. Für Bernhard Ludwig ist das aber nur ein angenehmer Nebeneffekt, obwohl auch er 20 Kilogramm verloren hat. Er schwört auf die lebensverlängernde Wirkung, die bei Versuchen mit Ratten nachgewiesen wurde. Die Tiere sollen mit diesem Essrhythmus um 20 bis 40 Prozent länger leben.

Wissenschaftliche Untersuchungen an Menschen gibt es nicht. Ludwig stützt sich nur auf Erfahrungsberichte. „Meine Frau hat das ein Jahr lang gemacht und schaut jetzt um zehn Jahre jünger aus.“ Nachsatz: „Das muss man als Mann aber auch einmal aushalten.“ Ein paar Erklärungen für die positive Wirkung seiner Methode findet der Kabarettist dennoch: Die Muskeln sollen in der Nacht am körpereigenen Fett naschen. „Wenn ich abends hungrig ins Bett gehe und mich auf das Frühstück freue – was, glauben Sie, passiert?“, fragt der schlanke 61-Jährige – und liefert die Antwort gleich selbst: „Ich wache auf und habe keinen Hunger.“

„10in2“ und die Wissenschaft. Mittlerweile ist Ludwig – der auch ausgebildeter Psychologe und Psychotherapeut ist– regelmäßig Gast bei einer Vorlesung von Kurt Widhalm an der Medizinischen Universität. Der Professor möchte die Methode aus wissenschaftlicher Sicht nicht kommentieren, da es noch keine Studien dazu gibt. Er meint nur: „Aus der Evolution heraus ist das erklärbar. Wir haben lange so gelebt, dass wir nicht täglich gegessen haben, sondern nur nach der Jagd.“ Weshalb auch der (moderate) Sport am essfreien Tag kein Problem sein dürfte. Ludwig ist sogar überzeugt, dass Fasten den Bewegungsdrang fördert.

Zwei Studenten werden ab Herbst im Rahmen einer Diplomarbeit die Methode unter die Lupe nehme. „Natürlich werden die Probanden vorher untersucht, ob sie auch wirklich gesund sind. Bei einem Leberschaden, einer Stoffwechselstörung oder Herzproblemen kann diese Methode ein Nachteil sein“, sagt Widhalm.

Gesund dank Ramadan. Ernährungswissenschaftlerin Marlies Gruber vom „forum ernährung heute“ verweist auf wissenschaftliche Beobachtungen bei Muslimen während des Fastenmonats Ramadan: „Da wird zwar nur nachts gegessen. Es gibt aber Beobachtungen, dass sich in einem Monat die Cholesterin-Werte positiv verändern und das Blut dünnflüssiger ist und leichter fließt.“ Auch „Dinner Cancelling“, bei dem auf das Nachtmahl verzichtet wird, hat ähnliche Ergebnisse geliefert. Der Glukose-Spiegel (Blutzucker) wird niedriger, was wiederum jene Hormone aktiviert, die für Wachstum und Regeneration der Zellen sowie die Stressresistenz wichtig sind. „Die schädliche Wirkung der freien Radikale wird minimiert. Man kann es auch überspitzt einen Selbstmord jener Zellen nennen, die sich nicht positiv auf den Körper auswirken“, erklärt Gruber. Auch sie findet die „10in2“-Methode interessant: „Sie ist unserem Ess-Stil vor Ackerbau und Viehzucht ähnlich.“

Ludwig und Haas haben jedenfalls nicht vor, ihren Lebensstil zu ändern. Haas ist von der Zeitersparnis begeistert, Ludwig schwärmt von seinen verbesserten Blutwerten. Er erwartet sich sogar den Nobelpreis: „Das ist eine Weltsensation“, meint er. „Und ich bin der Erste, der ein Tierexperiment an sich selbst ausprobiert.“

Intermittierendes Fasten
Diäten mit einem Rhythmus zwischen Nahrungsaufnahme und Fasten. Werden vor allem in den USA praktiziert.

»10in2 – LustvollLeben«funktioniert auch nach diesem Prinzip. An einem Tag wird gegessen, am nächsten nicht. Der Fasttag soll für moderate Bewegung genutzt werden.

Dinner Cancelling
Man verzichtet auf das Abendessen. Mindestens 14 Stunden sollten zwischen letzter Mahlzeit und Frühstück liegen.

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