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Misstraut den Politikern und hört nicht auf die Intellektuellen

Kein Tag, an dem nicht irgendein Guru das Ende der Globalisierung und des Kapitalismus verkündet.
Kein Tag, an dem nicht irgendein Guru das Ende der Globalisierung und des Kapitalismus verkündet.Clemens Fabry/Die Presse
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In der Krise fehlt es an vielem, nur nicht an Entwürfen für eine neue Welt. Besser ist es, auf den Hausverstand zu vertrauen und die Ärmel aufzukrempeln.

Die Pandemie ist im Abschwingen, die Realwirtschaft liegt darnieder, aber die Propheten der Post-Corona-Ära haben Konjunktur. Kein Tag, an dem nicht irgendein Guru das Ende der Globalisierung und des Kapitalismus verkündet, und gleich auch noch die Umwälzung unserer bisherigen Lebensweise, die sich angeblich nicht mit der Zukunft des Planeten vereinbaren lässt.

„Das Coronavirus gibt dem Kommunismus eine neue Chance“, glaubt zum Beispiel der slowenische Salonbolschewik Slavoj Žižek, der den Kommunismus für die einzige Alternative zu einer von Experten legitimierten „Barbarei mit menschlichem Antlitz“ hält. Unter Kommunismus, sagte Žižek dem „American Spectator“, verstehe er „einfach das, was die Weltgesundheitsorganisation sagt“, und deren Rezepte müsste eine Weltregierung durchsetzen.
Ein weiterer Grenzgänger ist der italienische Philosoph Giorgio Agamben. Die „angebliche Epidemie“ sei nur eine Grippe, schrieb er in „Quodlibet“. Weil der Terrorismus als Schreckgespenst ausgedient habe, werde Seuchenpanik erzeugt, um einen auf Dauer angelegten Ausnahmezustand zu erzeugen. Ähnlich argumentiert Peter Sloterdijk, der die „Machtergreifung der Securitokratie unter dem Deckmantel der Medicokratie“ beklagt.