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Ode an den Heurigen

Aus'gsteckt is!Clemens Fabry
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Was geht Ihnen eigentlich nach mehr als einem Monat Corona-Hausarrest mit ein paar Schlupflöchern am meisten ab? Also, meine Frau und ich kamen kürzlich übereinstimmend auf folgende Antwort.

Ode an den Heurigen

 

Meine Frau und ich wir saßen,

als wir jüngst ein Gulasch aßen,

also da und dachten nach

übers Corona-Ungemach,

und fragten uns was dieser Tage

denn so sei die größte Plage.

Was ob der Virenwelle Bürde

uns am meisten abgeh’n würde.

 

Die Antwort kam gleich wie der Blitz,

Porsche-Turbo, Schleudersitz,

denn noch vor allen andren Qualen

die man kann an die Wände malen 

sprachen wir gar durch die Bank

von Heurigen und Buschenschank.

 

Es sind die Orte mit dem Wein,

mit schwerem Essen, Trunkensein,

deren zugesperrte Pforten

wir dieser Tage schmerzlich orten.

 

Es fehlt der Spritzer, fehl’n die Leute,

jene weinselige Meute,

wo man dasitzt, trinkt und spricht,

bei manchen rührt sich leicht die Gicht,

wo man lacht und diskutiert,

den Weingeist in den Venen spürt.

 

Es fehl'n die Achterl,

fehlt der Garten,

wo wir gern auf das Essen warten.

Denn Eiaufstrich, Backhendlteile,

schmausen wir gar ohne Eile,

Geselchtes, Presswurst, Kümmelbraten,

zur Hausplatte sei stets geraten,

und Knuspergrammeln, Wurstbrot fein,

lass ich gern durch die Luke rein.

 

Krenfleisch, Knödel, saure Bohnen

dürfen meinen Wanst bewohnen.

Schnitzel, Blutwurst, Käseigel

bekommen unsre Gütesiegel.

Und es steigt der Spritzerspiegel.

 

Manchmal darf noch ein Stück Kuchen

meinen gierig Mund besuchen.

 

Nennen wir die Namen nun,

die uns derzeit abgehn tun,

angefangen hier in Brunn*.

Da sind es Riegler, Beranek,

Hössl hat auch zu. Welch ein Schreck.

Auch Niegls und Kreutzwiesners Türen

werden wir so bald nicht spüren.

 

In Stotzing unser Bauer-Weiss,

die Tore zu hat. So ein Scheiss!

In Mannersdorf der Hofschneider,

hat auch nicht offen derzeit leider.

So wie beim Leithaberg die Edelmühle,

mit der ich ganz besonders fühle.

In Leithaprodersdorf beim Liszt,

ist's auch stockfinster.

Welch ein Mist.

 

Aus Vielen, die hier nicht genannt,

hat Corona uns verbannt.

Doch eines ist schon sonnenklar:

Wenn erst vorbei ist diese Plage

we will be back,

gar keine Frage!

Nur etwas später halt im Jahr.

Und der Wein wird

wunderbar.

(wg)

 

*Brunn am Gebirge, Bezirk Mödling. Beste Grüße auch an die übrigen Heurigen und Buschenschanken im Ort - und an alle diese schönen Orte in ganz Österreich auch.

Reaktionen an: wolfgang.greber@diepresse.com

Es wird ein Herbst sein. Und wir wer'n dort wieder sein. (Bild: Edelmühle Tschank/Krauscher, Au am Leithaberge, an einem ruhigen Oktobernachmittag)Greber