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Studie

Wer das Virus fürchtet, hält wenig von europäischen Lösungen

(c) APA/AFP/NIKOLAY DOYCHINOV (NIKOLAY DOYCHINOV)
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Die Universität Wien ging der Frage nach, welche Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronakrise in Österreich präferiert werden. Die EU spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Für Europapolitiker ist es eine vermutlich wenig überraschende, aber nichtsdestotrotz enttäuschende Nachricht: Die Europäische Union wird in Österreich in erster Linie als ein Schönwetterprojekt wahrgenommen. Dieses Fazit lässt sich aus einer Untersuchung der Universität Wien ziehen. Die Studienautoren – Julia Partheymüller, Mariyana Angelova und Nico Büttner – gingen dabei der Frage nach, ob Österreicher bei der Bekämpfung der Coronakrise nationale oder europäische Lösungen bevorzugen.

Bei der Anfang April durchgeführten Enquete (Stichprobe: 1559) wurden die Befragten gemäß ihrer ideologischen Zugehörigkeit eingeteilt. Dabei zeigte sich, dass Österreicher in der linken Hälfte des Spektrums eher zu europaweiten Anti-Corona-Maßnahmen tendieren, während in der rechten Hälfte der ideologischen Landschaft nationale Lösungen bevorzugt werden. Bei Österreichern, die sich selbst in der Mitte verorten, war die subjektive Bedrohung entscheidend: Je höher die Befragten die vom Coronavirus ausgehenden Gefahren einschätzten, desto weniger waren sie bereit, der EU bei der Bekämpfung der Seuche Vortritt zu lassen. Nur unter Personen, die die Bedrohung als „sehr klein“ einstuften, waren Befürworter europäischer Lösungen in der Überzahl.

Welche gemeinschaftlichen Anti-Krisen-Maßnahmen kann man sich hierzulande vorstellen? Herzlich wenige. Das einzige, worauf sich die Befragten mehrheitlich einigen konnten: Die EU-weite Bekämpfung von Corona soll hierzulande nicht zu finanzieller Mehrbelastung führen. Knapp 55 Prozent beantworteten die Frage, ob in Zeiten von Corona höhere EU-Mitgliedsbeiträge in Ordnung seien, mit Nein, nicht einmal jeder Fünfte war „voll und ganz“ bzw. „eher“ dafür (der Rest der Befragten war unentschieden). Was andere Gegenmaßnahmen anbelangt, herrscht indes Uneinigkeit. „So befürworten in etwa gleich viele Personen eine stärker zentral gesteuerte Krisenbekämpfung durch die EU wie diese andere ablehnen“, heißt es in der Studie. Auch punkto Grenzschließungen ist man sich nicht eins. Zwar ist die Zustimmung zu Corona-bedingten Grenzkontrollen mit knapp über 40 Prozent etwas höher – doch gut 30 Prozent lehnen dauerhafte Kontrollen ab.

Die anderen sollen exportieren

Das Dilemma der EU wird bei der Frage sichtbar, ob notwendige Güter notfalls mit Ausfuhrstopps belegt werden sollen: Während knapp 40 Prozent österreichische Ausfuhrstopps prinzipiell befürworten, ist ein genauso großer Anteildagegen, dass andere EU-Mitglieder ihre Ausfuhren aus demselben Grund einschränken. (la)[QEKVH]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2020)