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Wo unziviler Ungehorsam im Wald erlaubt ist

Beim Salzstanglwirt ist die Auffahrt zu Ende
Benedikt Kommenda
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Ein kleiner Abschnitt der Mountainbikestrecken im Wienerwald darf schon jetzt befahren werden.

Entspannung ist in Sicht, auch beim Mountainbiken im Wienerwald. Seit Vizekanzler Sportminister Werner Kogler angekündigt hat, dass es ab 1. Mai Lockerungen beim Sporteln geben wird, arbeiten die Verantwortlichen an Richtlinien für eine vertretbare Nutzung der Mountainbikestrecken in und um Wien. „Ich hoffe sehr, dass die Strecken schnell wieder zur Verfügung stehen“, sagt Wienerwald-Tourismus-Chef Christoph Vielhaber.

Neulich noch, als ich hier im Club die Totalsperre – samt Strecken, die sich von Straßen nur dadurch unterscheiden, dass keine Autos darauf fahren – in Frage zu stellen wagte, habe ich ziemlich viel Kritik geerntet: „Ich bin über Ihren Whataboutism und Ihr Inkaufnehmen, dass angeordnete Maßnahmen übertreten werden, bestürzt und betroffen“, schrieb mir ein lesender Gast. Es gab aber auch Zustimmung: „Sie sprechen mir aus der Seele, wenn jetzt auch Bikestrecken, die wie im Wienerwald vorwiegend aus Schotterpisten bestehen, gesperrt werden, dann ist es auch mal genug.“

Auslüften nach dem Home-Office

Ich bin jedenfalls, weil ich Covid-19-Übertretungen weder in Kauf nehme noch begehe, aufs Rennrad umgestiegen. Bis ich gesehen habe, dass die Verbotsschilder bei dem kürzlich erwähnten Einstieg an der Perchtoldsdorfer Heide entfernt worden sind. Die ersten fünf Kilometer (300 Höhenmeter) der Parapluiestrecke sind jetzt erlaubt, ideal zum Auslüften nach dem Home-Office.

Während mir das Radeln im Wald ein paar Tage früher oder später wahrlich nicht wichtig genug ist für zivilen Ungehorsam, gibt es hier eine Art unzivilen, weil amtlichen Ungehorsam: Bürgermeister Martin Schuster (ÖVP), selbst Radfahrer, hat die Strecke freigegeben. Das darf er auch ohne Wienerwald Tourismus, sagt er, weil die Heidestraße durch Perchtoldsdorfer Wald führt. Und zwar bis zur Kugelwiese (Salzstanglwirt). Auch Schuster hält die Strecke für ungefährlich, sofern die Radler rücksichtsvoll fahren. Das sollten sie sowieso. Auf dem Rennrad, auf das Schuster einstweilen dennoch zurückgreift, muss er auf die Rücksicht der Autofahrer hoffen.