Fußball ist Krieg – Spanien ist Weltmeister

Fussball Krieg Spanien Weltmeister
Fussball Krieg Spanien Weltmeister(c) REUTERS (MARCOS BRINDICCI)
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Spanien siegte verdient in einem dramatischen, chancenreichen und vor allem brutalen Endspiel durch einen Treffer von Iniesta in der Nachspielzeit. Schiedsrichter Webb zückte 14 Gelbe und eine Rote Karte.

Rinus Michels, der legendäre niederländische Trainer und Schinder, der von seinen Spielern verächtlich „der General" genannt wurde, sagte: „Fußball ist Krieg." Unter Michels verloren die Oranjes das WM-Finale 1974 und spielten den schönsten Fußball der Welt. Für manche den schönsten Fußball aller Zeiten.

Fünf Jahre nach Michels Tod wurde dessen Satz Wirklichkeit. Oranje führte im WM-Finale von Johannesburg gegen Spanien Krieg. Brutale Fouls waren die Antwort, die den Oranjes gegen jene Spanier einfielen, die nun spielten wie die Niederländer einst unter Michels.

Vierzehnmal zückte der Polizist Webb die Gelbe Karte, neunmal gegen Holländer. Mark von Bommel hätte Rot sehen müssen. Nachdem Nigel de Jong in der 28. Minute Xabi Alonso mit gestrecktem Bein gegen die Brust gesprungen war, hätte Webb nicht nur Rot, sondern auch Handschellen auspacken müssen. Stattdessen gab es Gelb für ein Foul am Rande der Körperverletzung.

Hatten die Holländer bis zum Finale hässlich gespielt, so spielten sie nun brutal. Und das zeigte bei den Spaniern Wirkung. Nach 61 Minuten lief Arjen Robben nach Fehler von Gerard Pique auf Torhüter Iker Casillas zu. Der wehrte den Schuss akrobatisch mit der Schuhspitze ab. Es entbrannte ein heißes, ein packendes, ein chancenreiches, aber eben auch sehr hartes Spiel.

In der 69. Minute hatte David Villa den Matchball vor den Füßen. Nach schwerem Patzer von Heitinga scheiterte er aus kurzer Distanz. Dann lief wieder Robben auf das Tor zu, wieder rettete Casillas in höchster Not. Nach 90 Minuten stand es 0:0. Und der Thriller ging in die Verlängerung.

Schon nach drei Minuten gab es Elfmeteralarm im holländischen Strafraum. Heitinga legte Xavi, Webb blieb seiner Linie treu, ließ Gnade vor Recht ergehen. Es entbrannte ein offener Schlagabtausch. Ein großes Finale steuerte auf seinen Höhepunkt zu. Riesenchancen, auf beiden Seiten. In der 109. Minute sieht Heitinga nach einem Foul an Iniesta Gelb-Rot.

Mit einem Mann mehr drängten die Spanier wieder. Und in der 116. Minute erlöste Andrés Iniesta, der beste Spieler dieses Finales, die Spanier. Nach Pass von Fabregas schoss er den alles entscheidenden Treffer. Spanien siegt mit 1:0.

„Bist du zu lieb, bist du verloren." Auch dieser Satz stammt von Rinus Michels. Seine Holländer waren gestern alles andere als lieb, aber am Ende trotzdem verloren.

Vicente del Bosque (Spanien-Teamchef): "Es war ein sehr, sehr schweres Spiel, ein harterkämpfter Sieg. Wir hätten das eine oder andere Tor mehr schießen können, im Endeffekt haben wir verdient gewonnen. Wir haben 50 Tage sehr hart gearbeitet, es gab keine negativen Dinge, alle sind sehr glücklich und zufrieden. Es ist ein glücklicher Tag, ich mache mir über die Zukunft jetzt noch keine Gedanken."

Andres Iniesta (Spaniens-Siegtorschütze): "Es ist unglaublich, unfassbar, hat sehr viel Kraft gekostet, war nicht leicht. Wir haben die Weltmeisterschaft gewonnen, mir fehlen die Worte, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Nach meinem Tor habe ich an meine Familie gedacht, an alle Leute, die ich liebe. Das ist die Belohnung für unsere harte Arbeit, die wir schon lange begonnen haben. Das genießen wir jetzt, ich habe jetzt ganz große Lust auf das Feiern in Spanien."

Bert van Marwijk (Niederlande-Trainer): "Ich habe gehofft, dass wir das Elfmeterschießen erreichen. Das bessere Team hat gewonnen. Mich trifft es hart, dass wir das WM-Finale verloren haben."

Nigel de Jong (Niederlande-Mittelfeldspieler): "Die Enttäuschung ist natürlich sehr groß. Wir haben alles gegeben und versucht, das Spiel zu gewinnen, das haben wir aber nicht geschafft. Der Schiedsrichter hat eine Fehlentscheidung getroffen. Es hätte einen Corner für uns geben müssen und kurz darauf kassieren wir das entscheidende Gegentor. Aber so ist Fußball. Jetzt müssen wir die Köpfe hoch halten und weitermachen."

Xabi Alonso (Spanien-Mittelfeldspieler): "Das ist großartig! Ich spüre die Euphorie, die Freude. Das Finale zu gewinnen ist das, was zählt. Es war schwierig, aber wir haben gewonnen. Iniesta hätte den Goldenen Ball verdient."

Cesc Fabregas (Spanien-Mittelfeldspieler): "Es ist ein historischer Moment. Wir waren die Besseren. Ich denke jetzt vor allem an meine Familie. Wir hoffen, in zwei Jahren bei der EM wieder erfolgreich sein zu können."

Dirk Kuyt (Niederlande-Offensivspieler): "Es ist so enttäuschend. Wir waren so knapp dran am WM-Titel."

("Die Presse", Printausgabe vom 12. Juli)

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