Wien

Wiener Kindergärten öffnen für (fast) alle

In Kindergärten soll der Betrieb nun wieder hochgefahren werden.
In Kindergärten soll der Betrieb nun wieder hochgefahren werden.Julian Stratenschulte / dpa / pi
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Die Stadt hat einen Stufenplan vorgestellt. Zuerst sollen Vorschulkinder und Kinder mit Sprachförderbedarf wieder kommen.

Wien. In Wien öffnen die Kindergärten wieder für mehr Kinder. Das gab die Stadt Wien am Donnerstag in einer Aussendung bekannt. Bei der Öffnung wird stufenweise vorgegangen. Ab Montag kommender Woche können alle berufstätigen Eltern ihre Kinder wieder bringen – und zwar unabhängig davon, wo und wie die Arbeit stattfindet. Das Formular, das bisher vom Arbeitgeber zu unterschreiben war, wird nicht mehr benötigt, heißt es dazu auf Anfrage der „Presse“ aus dem Büro von Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky. Allerdings werden die Eltern dringend gebeten, ihre Kinder vorher anzukündigen.

„Zur Planbarkeit des Betreuungsangebotes bitten wir die Eltern, ihren jeweiligen Kindergarten rechtzeitig über ihren Bedarf zu informieren“, wird die Abteilungsleiterin der Stadt-Wien-Kindergärten, Daniela Cochlar, in der Aussendung zitiert. Die Öffnungszeiten der einzelnen Standorte werden je nach Bedarf variieren. Das Angebot zur Betreuung gilt freilich auch für Familien, die mit großen Belastungen konfrontiert sind, sowie für Alleinerzieher.

In der Woche darauf, also ab dem 4. Mai, findet die nächste Phase der Öffnung statt. Zusätzlich zu Kindern von berufstätigen und überlasteten Eltern sowie jenen von Alleinerziehern sind auch Kinder im letzten Kindergartenjahr, Kinder im vorletzten Kindergartenjahr mit Sprachförderbedarf sowie Kinder, die als einziges Kind in einem Haushalt leben, „eingeladen“, den Kindergarten wieder zu besuchen. Auch dieses Mal werden Eltern gebeten, den Betreuungsbedarf rechtzeitig bekannt zu geben. Die Formulierung als „Einladung“ ist wichtig. Kein Kind verliere den Platz, wenn es nicht in den Kindergarten komme, stellt das Stadtratbüro klar. Die Besuchspflicht im letzten Kindergartenjahr bleibt bis auf Weiteres ausgesetzt. Jüngere Geschwister von Vorschulkindern können ebenfalls in den Kindergarten gebracht werden. Man werde in jedem Fall eine Lösung für die ganze Familie finden. Auch wenn die Kinder in keine Kategorie fallen und betreut werden möchten, solle man sich im Kindergarten melden.

„Eltern brauchen Klarheit und Planbarkeit. Die Vorgaben des Bundes, Kinder möglichst zu Hause zu betreuen, stehen nun einer steigenden Berufstätigkeit von Eltern gegenüber. Für diese Situation legen wir nun diesen Fahrplan vor“, wird Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky zitiert, der auch betont, dass es wichtig sei Druck aus den Familien zu nehmen und Kindern wieder Sozialkontakte zu ermöglichen.

Trotz der steigenden Kinderzahlen sollen die Gruppen möglichst überschaubar bleiben, sie können damit unterschiedlich groß sein. Weiterhin gelten die Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Lüften und Desinfektion von Flächen. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ist freiwillig. Die Regelung gelte für alle Kindergärten in Wien, ein entsprechender Bescheid wurde an alle Kindergärten bereits gesandt, heißt es aus dem Stadtratbüro.

Normalbetrieb ab Mai?

Bei den privaten Trägern der Wiener Kindergärten rechnete man ohnehin mit „Regelbetrieb“ ab Mai. Schon in dieser Woche würden die Zahlen der in die Einrichtungen gebrachten Kinder – wenn auch auf niedrigem Niveau – kontinuierlich steigen. Wenn in einer Woche auch größere Geschäfte wieder öffnen und 14 Tage später die Gastronomie, werde zusätzlicher Betreuungsbedarf nötig sein, heißt es etwa bei der Kindercompany. „Es wäre wünschenswert, den Betrieb wieder in geordnete Bahnen zu lenken“, sagt auch Christian Morawek, Geschäftsführer der Wiener Kinderfreunde zur „Presse“. „Wir planen damit, dass die ersten beiden Maiwochen Übergangswochen sind und wir dann wieder in den Vollbetrieb gehen können.“ Denn: „Wir wollen Eltern in allen Situationen helfen.“ Derzeit sind bei den Kinderfreunden 500 von 12.000 Kindern in Betreuung. Allein 2500 davon sind Kinder im verpflichtenden Kindergartenjahr, das eine wichtige Vorbereitung für die Schule darstellt.

Das Gesundheitsministerium arbeitet derzeit an einem neuen Erlass für die Kindergärten, der aktuelle läuft mit 26. April aus. „Wir wünschen uns sehr, dass wir einen genauen Fahrplan bekommen, so wie bei Masern“, sagt etwa Susanne Haas, pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung, einem der größten privaten Träger. Jene Regel, wonach pro Gruppe nicht mehr als fünf Kinder betreut werden dürfen, läuft mit Ende dieser Woche aus. Und auch konkrete Hygienevorschriften gibt es bis dato nicht.
Dennoch: „Unsere Pädagoginnen sind in Rufbereitschaft“, sagt Morawek. „Und sie freuen sich schon sehr auf ihre Rückkehr. Wie auch die Kinder, für die das soziale Umfeld im Kindergarten wichtig ist.“

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