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Der ökonomische Blick

Was wir von der Finanzierung von Top-Universitäten lernen können

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Spitzenuniversität Harvard: In den USA sind Endowments ein wichtiger Teil der Universitätsfinanzierung.APA/AFP/GETTY IMAGES/Maddie Meye
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Jeden Montag präsentiert die „Nationalökonomische Gesellschaft“ in Kooperation mit der „Presse“ aktuelle Themen aus der Sicht von Ökonomen. Heute: Otto Randl über „Endowments“ als Mittel zur Finanzierung von Universitäten.

International herausragende Universitäten und Forschungseinrichtungen verfügen häufig über langfristige, spendenfinanzierte Finanzanlagen, ein „Endowment“. In den letzten Wochen haben Finanzmärkte im Zusammenhang mit der Corona-Krise nur negative Schlagzeilen produziert. Auch Universitäten mit großen Endowments sind von der Krise betroffen und haben Sparmaßnahmen angekündigt. In dieser Kolumne soll argumentiert werden, dass Endowments dennoch und gerade jetzt ein wichtiger Bestandteil der Universitätsfinanzierung sein sollten.

In Österreich und anderen kontinentaleuropäischen Ländern sind Endowments wenig verbreitet, und über die wenigen existierenden langfristigen Kapitalanlagen von Universitäten liegen kaum öffentlich zugängliche Informationen vor. Studien über die Bedeutung von Endowments für die Universitätsfinanzierung und die Auswirkungen auf die Qualität von Forschung, Lehre und Unterstützung der Studierenden beziehen sich daher in der Regel auf die USA, wo für Endowments eine vergleichsweise gute Datenbasis vorliegt. In den USA sind Endowments ein wichtiger Teil der Universitätsfinanzierung: Endowments tragen dort im Durchschnitt etwa 10 Prozent zu den Universitätsbudgets bei, an den renommierten Universitäten liegt dieser Anteil jedoch weit höher. Die Spitzenuniversitäten Harvard und Yale decken jeweils etwa ein Drittel ihrer Kosten aus den Endowments. Dies erfolgt über Ausschüttungsraten in Höhe von etwa fünf Prozent des Kapitalstocks oder zuletzt jährlich 1,9 Milliarden USD für Harvard und 1,4 Milliarden USD für Yale. Abgesehen von der beeindruckenden Höhe dieses Finanzierungsvolumens hat ein Endowment eine besondere Rolle im Finanzierungsmix einer Universität. Denn diese Mittel stehen langfristig zur Verfügung und schaffen eine gewisse Unabhängigkeit von öffentlichen Geldern.

Jeden Montag gestaltet die „Nationalökonomische Gesellschaft" (NOeG) in Kooperation mit der "Presse" einen Blog-Beitrag zu einem aktuellen ökonomischen Thema. Die NOeG ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Wirtschaftswissenschaften.

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Damit werden auch visionäre Forschungsprojekte ermöglicht, welche aus Steuergeldern oder Studiengebühren nicht leicht zu finanzieren wären. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Universitäten und Forschungseinrichtungen mit großen Endowments exzellente Forschungsleistungen erbringen und die Qualität der Lehre dieser Institutionen besonders gut eingeschätzt wird. Ein zusätzlicher Nutzen für die Gesellschaft ergibt sich daraus, dass aus Endowments häufig Stipendien für sozial schwächer gestellte Studierende bereitgestellt werden. Die Spitzenuniversitäten Harvard und Yale nehmen etwa Studierende nur auf Basis ihrer Qualifikation auf. Großzügige Stipendien stellen sicher, dass die finanzielle Situation der Studierenden oder ihrer Familien kein Ausschlusskriterium ist. Insgesamt stellt die Kategorie „Unterstützung für Studierende“ mittlerweile in Nordamerika mit einem Anteil von knapp 50% die bedeutendste Verwendung der Ausschüttungen aus Universitätsendowments dar.

Wie entstehen große Universitätsendowments?

Da Universitätsendowments nachhaltig positive Auswirkungen haben, lohnt die Analyse der wesentlichen Komponenten, die zum erfolgreichen Aufbau eines solchen beitragen. Zunächst sind es die privaten Zuwendungen, welche die Basis für ein Endowment bilden. Spender möchten mit der Dotierung eines Endowments langfristig Gutes tun, anstatt etwa nur kurzfristig ein einzelnes Projekt zu unterstützen. Da jährlich nur ein kleiner Anteil des Endowments an die Universität ausgeschüttet wird, wird Forschung langfristig unterstützt und auch künftige Generationen von Studierenden profitieren.

Universitätsendowments fördern somit die Chancengleichheit über Generationen hinweg. Oft sind es erfolgreiche Absolventen einer Universität, die mit großzügigen Spenden ihrer Alma Mater etwas zurückgeben und einen Nutzen für die Gesellschaft stiften wollen. Der zweite Erfolgsfaktor erfolgreicher Endowments ist die Ausrichtung auf die Erzielung anspruchsvoller Renditen. Endowments haben kein Ablaufdatum und somit einen sehr langfristigen Anlagehorizont. Dies macht Investitionen in Anlagekategorien mit hoher Ertragserwartung möglich, auch wenn diese mit geringerer Liquidität und höherem Risiko einhergehen. Bekannt ist etwa der Investmentmanager des Yale Endowments, David Swensen, der mittlerweile als Pionier innovativer Vermögensveranlagung gilt und eine Vorbildwirkung für zahlreiche institutionelle und private Anleger hat. Drittens leistet in den meisten Ländern auch der Staat einen Beitrag, indem die Veranlagung eines Endowments und die Ausschüttungen an die Universitäten steuerfrei erfolgen. Damit wird auch ein Anreiz geschaffen, dass Spender geplante Unterstützungsbeträge früh zuwenden: Denn durch eine günstige steuerliche Behandlung, eine ertragsorientierte langfristige Veranlagung, und moderate, aber kontinuierliche Ausschüttungen an die Universität ist die Thesaurierung von Geldern im Endowment attraktiver als außerhalb.

Aktuelle Situation

Wäre es inmitten einer Krise – wie wir sie derzeit erleben – nicht sinnvoller, Geldmittel sofort für aktuelle Forschungsprojekte einzusetzen statt über Endowments eine langfristige Finanzierung von Forschung und Lehre zu sichern? Spitzenforschung entsteht nicht über eine kurzfristige Anstrengung, sondern erfordert den langfristigen Aufbau von Kompetenzen und Ressourcen. Nachwuchswissenschaftler durchlaufen etwa mehrere Ausbildungs- und Anstellungsphasen, von denen jede einzelne mehrere Jahre dauert. Nur eine nachhaltige Finanzierung von Forschungsgruppen schafft letztlich die Kapazitäten, im Bedarfsfall an aktuellen Themen zu forschen. Darüber hinaus gibt es auch einen interessanten Aspekt bei der Veranlagung von Endowments: Mit ihrer langfristigen Anlagepolitik können sie die Mittel insgesamt erhöhen, gerade weil sie die in Krisenzeiten typischerweise hohen Risikoprämien am Markt nutzen und somit attraktive Anlageergebnisse erzielen können.

In Österreich gibt es derzeit keine geeigneten institutionellen Rahmenbedingungen für die Gründung von Universitätsendowments. Diese müssten mehrere Aspekte berücksichtigen: Erstens Freiräume für langfristige Investitionsstrategien, welche Wertschwankungen der veranlagten Mittel und somit das Erzielen von Risikoprämien erlauben. Zweitens eine günstige steuerliche Behandlung innerhalb des Endowments, damit die gespendeten Beträge und die erzielten Erträge wirklich für Forschung, Lehre und Stipendien verwendet werden. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf die Höhe der Zuwendungen durch Spender aus. Drittens Eigenständigkeit, ähnlich einer Stiftung, damit langfristige Ziele konsequent verfolgt werden können, Mittel zu unregelmäßigen Zeitpunkten und durch verschiedene Geber zugeführt werden können, und eine flexible Gestaltung der Ausschüttungspolitik ermöglicht wird.

Die aktuelle Situation macht es vielen bewusst, wie wichtig Forschung für die Gesellschaft ist. Es ist abzusehen, dass die staatlichen Budgets aufgrund der Krise in den nächsten Jahren stark belastet sein werden und die Mittel für die öffentliche Finanzierung von Forschung noch knapper sein werden als bisher. Günstige Rahmenbedingungen für Endowments mobilisieren private Geldmittel; wir sollten diese Chance nutzen.

Der Autor

Otto Randl ist Professor für Endowment Management an der Wirtschaftsuniversität Wien, Co-Leiter des Forschungsinstituts für strategische Kapitalmarktforschung und akademischer Direktor des Professional MBA Finance. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Portfolio Management und Asset Pricing.

Otto Randl
Otto RandlWU Wien

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