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"Niemand ist perfekt"

Russland verteidigt WHO gegen Vorwürfe aus den USA

FILE PHOTO: FILE PHOTO: A logo is pictured on the headquarters of the WHO in Geneva
(c) REUTERS (Denis Balibouse)
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"Meiner Meinung nach will man mit diesen Angriffen eher die eigenen Maßnahmen rechtfertigen, die zu spät und unzureichend waren“, meint der russische Außenminister.

Russland verteidigt die Weltgesundheitsorganisation WHO gegen Vorwürfe aus den USA, die UN-Behörde leiste schlechte Arbeit in der Corona-Krise. "Ich glaube, die WHO wird ihrer Rolle als leitendes und koordinierendes Organ durchaus gerecht", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Samstag russischen Agenturen zufolge. "Ja, es ist nicht ideal. Aber niemand ist perfekt."

Wenn es Kritik an der Behörde gebe, habe dies weniger mit der WHO selbst zu tun, sagte Lawrow. "Meiner Meinung nach will man mit diesen Angriffen eher die eigenen Maßnahmen rechtfertigen, die zu spät und unzureichend waren."

Mitten in der Coronavirus-Pandemie hatte US-Präsident Donald Trump einen Stopp der Zahlungen an die WHO veranlasst. Die Maßnahme stieß international auf Kritik. Trump machte die Organisation für die Vielzahl an Toten in der Krise mitverantwortlich. Durch das Missmanagement der WHO und deren Vertrauen auf Angaben aus China habe sich die Epidemie dramatisch verschlimmert und global ausgebreitet. Auch Kritiker in den USA werfen Trump vor, einen Sündenbock zu suchen, um von seinem Zögern zu Beginn der Corona-Krise abzulenken.

Probleme mit EU stärker hervorgetreten

Lawrow betonte auch, dass mit der Pandemie auch die Probleme in der Europäische Union stärker hervorgetreten seien und die EU schwächer geworden sei. "Es gibt den Wunsch der Nationalstaaten, sich mehr auf sich selbst verlassen zu wollen", sagte der russische Chefdiplomat. Das sei nicht nur den Problemen im Kampf gegen das Virus geschuldet. "Wahrscheinlich spiegelt das auch eine gewisse Müdigkeit wider. Es ist in der EU absolut offensichtlich, wie stur und zwanghaft sich diese multilaterale und supranationale Bürokratie zuweilen verhält." Die Pandemie könne nur gemeinsam bekämpft werden.

Auch in Russland steigen die Infektionszahlen mit Verzögerung zu den westeuropäischen Ländern rasant an. Insgesamt wurde das Virus nach offiziellen Angaben bisher bei rund 74.600 Menschen nachgewiesen; mit Abstand gibt es die meisten Fälle in der Millionenmetropole Moskau, wo es seit Wochen strenge Ausgangsbeschränkungen gibt. Landesweit sind rund 680 Menschen nach einer Infektion gestorben.

 

(APA/dpa)