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Mitglieder der österreichischen Regierung (in der Mitte Karl Renner) werden auf ihrem Weg vom Rathaus ins Parlament von der Menge bejubelt. (29. April 1945)
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Gründungstag der Zweiten Republik

April 1945: Mehr als ein Hauch von Zukunft

Österreich war jahrelang von der politischen Landkarte verschwunden. Gab es überhaupt eine Zukunft? Das Wunder der Wiederbelebung gelang Ende April 1945. Ein Rückblick auf hochdramatische Tage und die Geburtsstunde der Zweiten Republik.

Eine gewaltige Bruchlinie, ein Epochenjahr. 1945 war ein Ende und Zusammenbruch, und es war zugleich ein Neubeginn: Das macht das Hochdramatische aus, das den Beginn der Zweiten Republik bestimmte. War es überhaupt sinnvoll, in diesem Moment über ein neues Österreich nachzudenken? Und wie sollte es denn aussehen? War nicht alles unwiderrufbar ausgelöscht? Nicht alle dachten so.

Mehrere Glücksfälle kamen zusammen: Vor allem war es die große Selbstverständlichkeit, mit der sich in Wien und in den Bundesländern am Ende der Kampfhandlungen heimische Politiker zusammenfanden, um die nötigen politischen Strukturen aufzubauen. Indem sie den Siegermächten immer wieder ein Stück Freiheit abrangen, die Menschen des Landes vor dem Hunger bewahrten und aus den Trümmern einen funktionierenden Staat wiederaufbauten, leisteten sie Großartiges. Trotz düsterer Prophezeiungen wurde das Land nicht geteilt, im Gegenteil, wie ein Phönix entstieg es der Asche. Es entwickelte sich eine stabile politische Situation, verglichen mit den schwerwiegenden Umwälzungen in anderen Staaten.

Zähigkeit.
1955 merkte man, was diese Männer der ersten Stunde geleistet hatten, indem sie mit großer Zähigkeit den Alliierten Freiheitsrechte abrangen. Sie alle hatten nicht geahnt, dass es tatsächlich zehn Jahre dauern würde, dass es so viel Mut und Ausdauer erforderte, um aus einem namenlosen Land einen Staat zu machen und aus den ehemals zerstrittenen Österreichern eine staatsbejahende Nation. Das Leiden an Unfreiheit, beschränkter Souveränität, militärischer Bedrohung im Kalten Krieg und der Abhängigkeit von den Siegermächten beeinträchtigte diesen Zustand. Doch in den Köpfen wuchs man zusammen.

Das Schlagwort vom „Heldenjahrzehnt“ entstand. Die Politiker wurden in der Erinnerung verklärt. Österreich war stolz auf sie. Doch es gibt in der Politik selten Idealbesetzungen. Dass sie zugleich Kinder ihrer Zeit waren, ist daher wieder etwas anderes. Denn es waren vor allem ältere Herren, die die Erste Republik und die NS-Zeit überstanden hatten und durch diese Jahrzehnte tief geprägt waren. Aber sie hatten zumindest dazugelernt.