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Trumps Corona-Briefings: Empörung, mehr Giftnotrufe, mögliches Aus für Pressekonferenzen

APA/AFP/OLIVIER DOULIERY
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„Das ist die Zeit und Mühe nicht wert“, schreibt der US-Präsident über seine Corona-Briefings. Unlängst hat er mit seinen Äußerungen für Empörung gesorgt.

Zuletzt hatte Donald Trump sich mit seinem Auftreten viel Ärger eingehandelt. Bei seinem Briefing vergangene Woche hatte der Präsident vor laufender Kamera die Frage aufgeworfen, ob Menschen nicht Desinfektionsmittel gespritzt werden könnte, um das Virus zu bekämpfen. Trump stellte seine Aussage zwar als „Sarkasmus“ dar, der Aufschrei war dennoch groß. Die Katastrophenschutzbehörde des US-Staats Maryland erklärte kurz nach Trumps Auftritt, es seien mehrere Anrufe mit Fragen zu Desinfektionsmittel und Covid-19 eingegangen. Unter keinen Umständen dürften solche Mittel injiziert oder anderweitig verabreicht werden. Auch andere öffentliche Stellen und ein Hersteller von Desinfektionsmittel sahen sich zu öffentlichen Warnungen veranlasst.

Die Giftzentrale im US-Staat Illinois habe außerdem eine Zunahme an Notrufen verzeichnet. In den vergangenen zwei Tagen habe es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen "signifikanten Anstieg" der Anrufe im Zusammenhang mit Reinigungsmitteln gegeben, sagte die Direktorin des Gesundheitsamtes, Ngozi Ezike, am Samstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. Beispielsweise sei mit einer Mischung aus Bleichmittel und Mundwasser gegurgelt worden, "in einem Versuch, das Coronavirus zu töten".

Aus für Pressekonferenzen?

Trump stellt nun auch seine Auftritte zur Disposition. Seit Mitte März hielt der US-Präsident beinahe jeden Tag Pressekonferenzen zur Corona-Pandemie ab. Immer am frühen Abend, oft an die zwei Stunden lang. In der Corona-Krise sind die live im Fernsehen übertragenen Veranstaltungen zum festen Ritual geworden.

Am Samstagabend, zur sonst üblichen Briefing-Zeit, meldete sich Trump nicht vom Rednerpult zu Wort, sondern per genervtem Tweet: Was habe es für einen Zweck, Pressekonferenzen im Weißen Haus abzuhalten, wenn die Medien "nichts als feindselige Fragen stellen & sich dann weigern, die Wahrheit oder Fakten genau zu berichten", schrieb er dort. "Sie haben Rekord-Einschaltquoten & das amerikanische Volk bekommt nichts als Fake News." Das sei den Aufwand nicht wert. Ob das bedeutet, dass er künftig gar keine Pressekonferenzen mehr zur Corona-Krise machen möchte, ließ der Präsident offen.

Richtungsstreit über weiteres Vorgehen in der Coronakrise

Auch äußerte er sich auf Twitter über die weiteren Schritte in der Krise - darüber brodelt in den USA ein Richtungsstreit. Es liegt in der Hand der Gouverneure, endgültig über Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen zu entscheiden. US-Präsident Donald Trump appellierte per Tweet, dabei vorsichtig und mit Verstand vorzugehen. Er schrieb aber auch: "Denken Sie daran, dass die Heilung nicht schlimmer sein kann als das Problem selbst."

Im südlichen Bundesstaat Georgia konnten mittlerweile etwa Nagelstudios und Friseure wieder öffnen. Sogar Trump, der die Wirtschaft lieber früher als später zur Normalität zurückführen will, befand dies als "zu früh". Die Bürgermeisterin der dortigen Hauptstadt Atlanta, Keisha Lance Bottoms, rief die Bürger am Samstag per Twitter auf, weiterhin zu Hause zu bleiben. "Wenn Sie gerade ihre Nägel gemacht bekommen, teilen Sie diese Zahlen von heute Mittag bitte mit ihrem Maniküristen", schrieb sie. Dazu stellte sie eine Tabelle mit Todes- und Infektionszahlen aus Georgia und weltweit. Richtlinien des Weißen Hauses sehen vor, dass Fallzahlen vor entscheidenden Lockerungen über 14 Tage abnehmen müssen. Das ist in Georgia noch nicht der Fall.

Als Voraussetzung für die schrittweise Wiedereröffnung der Wirtschaft gelten flächendeckende Tests. Davon sind die USA nach wie vor weit entfernt. Im besonders hart getroffenen Bundesstaat New York soll sich das nun ändern. Die Zahl der Tests werde drastisch erhöht, kündigte Gouverneur Andrew Cuomo am Samstag bei seiner täglichen Pressekonferenz an: von derzeit 20.000 auf bald 40.000 täglich.

(APA/dpa)