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Warum gibt es Leute, die „der Butter“ sagen?

Wer den Butter auf das Brot streicht, hat das Wörterbuch nicht auf seiner Seite.
Wer den Butter auf das Brot streicht, hat das Wörterbuch nicht auf seiner Seite.(c) Clemens Fabry
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Das grammatische Geschlecht mancher Wörter gilt heute weniger logisch als ideologisch.

Das mit der Germ haben wir ja schon diskutiert. Und doch, jedes Mal, wenn ein „ZiB“-Moderator bei ihr einen männlichen Artikel verwendet, durchzuckt es viele Südost- und Ostösterreicher unangenehm. Während so manche aus Restösterreich (Jetzt Mittel- und Westösterreich zu schreiben, würde der Kolumne nur viel Platz rauben, bitte um Verständnis) beim Lesen der vorigen Zeilen genau dasselbe Gefühl haben dürften. Wirklich logisch begründen, warum der Pilz nun unbedingt weiblich oder männlich sein muss, lässt es sich aber nicht. Rein vom natürlichen Geschlecht her müsste der Pilz ja eigentlich sächlich sein. Aber Artikel im Deutschen lassen sich nicht immer mit Logik fassen (das Mädchen, Sie wissen schon). Und doch, wer ein Wort mit einem bestimmten Artikel gelernt hat, für den ist es eine Gewissheit. Und jede Abweichung führt unausweichlich auf ein sprachideologisches Schlachtfeld.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Nun, es gibt tatsächlich Leute, die „der Butter“ sagen. Die ist zwar laut den gängigsten Wörterbüchern eindeutig weiblich, aber erzählen Sie das einmal jemandem, in dessen Umfeld sie immer männlich war – also offenbar in einigen Teilen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz. Woher das kommt, ist allerdings leicht erklärt. Einst wurde hier der Anke verwendet (in Teilen der Schweiz macht man es noch heute), der vom indogermanischen Wort ongwen kommt, was für Salbe und Fett stand. Der Begriff Anke wurde nach und nach von der Butter verdrängt, doch der männliche Artikel blieb bestehen. Butter wiederum leitet sich übrigens vom griechischen boútyron (Kuhmilchquark) ab. Im Griechischen war das Wort sächlich. Über den Plural des spätlateinischen Wortes, also butyra, dürfte die Butter schließlich die Wandlung zum Femininum vollzogen haben. Und darum ist die Butter heute weiblich. So, und jetzt streiten wir bitte darüber!

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2020)