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Bergwertung am See

Neusiedler See: Anschauen, nicht anfassen

Der Neusiedler See, ein Streifen, gesehen aus von Jois.
Der Neusiedler See, ein Streifen, gesehen aus von Jois.(c) imago/allOver (KTH)
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Burgenland, näher als 15 Kilometer: Mit etwas Abstand lässt sich der Neusiedler See, das sogenannte Meer der Wienerm gut betrachten. Das Ruster Hügelland und das Leithagebirge vergönnen einem Ausflügler sogar schöne Gipfelsiege.

In Zeiten der normalen Normalität freuen sich die meisten Tourismusorte, wenn Besucher kommen. Denn die belegen Betten, trinken Wein, zahlen Eintritt ins Strandbad, mieten ein Boot. In Zeiten neuer Normalität ist das anders: Die Konsumier-Stätten sind (noch) geschlossen, und zu eng soll es für die Einheimischen nicht werden, wo wenig Platz ist, wie etwa an den wenigen freien Uferstellen des Neusiedler Sees.
Kein Problem: Das von extrabreitem Schilfgürtel eingefasste, traumhafte Steppengewässer ist von oben ebenso spannend anzusehen wie als schmaler Strich am pannonischen Horizont. Wo gibt's die beste Aussicht? Gar nicht so einfach, denn in seinem Kammbereich ist das Leithagebirge dicht belaubt, sodass die Wanderziele vor allem Baumdenkmäler sind. Beispielsweise die Kaisereiche auf dem Weg von Donnerskirchen nach Mannersdorf, wo zwischen dem Burgenland und Niederösterreich dereinst Schmuggler hin und her wechselten. Die Abhänge des Leithagebirges gestalten Weinberge, Obstgärten und Kirschbaumalleen – so geht's dort idyllisch dahin.

Nah beim See: Hackelsberg und Jungerberg

Näher an den See rücken Aussichtswanderer auf zwei inselartigen Gipfeln in Jois. Der Hackelsberg und der Jungerberg sind schon ihrer Vegetation wegen interessant: als einer der wichtigsten Trockenrasenstandorte Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere – und daher Teil des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel. Laut dessen Infos diese Erhebungen ein „Resthorn des alpidisch-karpatischen Gebirgsbogens“ sind. Auf dem geologisch und biologisch ebenso interessanten Thenauriegel in Breitenbrunn stehen Fußgänger immerhin auf 210 Höhenmetern (zum Vergleich: Der Seewinkel liegt fast hundert Meter tiefer). Auch hier schaffen Trockenrasen und Flaumeichen eine eigene, steppige Atmosphäre. Die Gegend ist von kleinen Tälchen durchschnitten, und der „Zustieg“ erfolgt über den Kirschblütenradweg, im Frühling eine echte Pracht.

Bei St. Margarethen, hoch über dem Neusiedler See: Gelände des Bildhauer-Symposiums.
Bei St. Margarethen, hoch über dem Neusiedler See: Gelände des Bildhauer-Symposiums.Madeleine Napetschnig

Im Westen des Neusiedler Sees erhebt sich zwölf Kilometerlang von Schützen am (Leitha-)Gebirge bis nach Fertörákos das Ruster Hügelland. Die leicht ansteigenden Hänge täuschen: Das ist keine Bodenwelle, sondern ein alpiner Ausläufer mit immerhin 224 Metern (in Oggau). Oben flachen diese Ruster Alpen ab, und dass es hier nahe der ungarischen Grenze kleine Schluchten gibt, ist auch so eine Überraschung für jene, die immer bloß den See sehen wollen.

Koglberg über dem Römersteinbruch

Hat man die Weinberge (beste Lagen) verlassen, wandelt man durch dichten Laubwald dahin, wissend, was sich darunter verbirgt: eine wertvolle Kalksteinschicht, aus der die Wiener Ringstraße gut bestückt worden war. Der berühmte Römersteinbruch bei St. Margarethen ist nicht der einzige, auf den man beim Zickzack über den Bergrücken stoßen wird. Und, wenn man schon einmal da ist, gibt's auch Kultur: Im Gelände des Bildhauer-Symposiums stehen an die 50 Skulpturen. Geht man ein Stück weiter, landet man bei der Kogelberg-Kapelle. Mit diesem Seepanorama muss dort immer schon ein Kraftplatz gewesen sein.

Pannonisch Wandern

Zahlreiche Gebiete rund um den Neusiedler See sind Teil eines Naturschutzgebiets, eines Naturparks bzw. des großen Nationalparks, in die die Kulturlandschaft und die Orte im Umkreis des Ufers eingebettet sind.
www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at
www.neusiedlersee-leithagebirge.at
Wanderrouten im Leithagebirge: www.leithabergwandern.at
Botanisches: http://burgenlandflora.at
Zur Region: www.neusiedlersee.com

 

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