Die ÖVP kritisiert die Planung für „Sommergespräche“. Was die Örtlichkeit der Gespräche anlangt, so sei jedenfalls so gut wie sicher, dass sie nicht wie im Vorjahr im Freien stattfinden.
ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser hat derzeit mehr Erklärungsbedarf als ihm lieb ist. Wegen vom ORF erworbener, aber nicht genutzter WM-Karten spricht die FPÖ von einem „Spesenskandal“, die ÖVP will die Causa im September im ORF-Stiftungsrat vorbringen. Es geht, wie Oberhauser mittlerweile bestätigte, um ein Kontingent im Wert von 25.500 Euro: Man habe die Karten – „wie immer bei internationalen Großereignissen“ – erworben, um sie „an Werbepartner und Kunden weiterzugeben oder an interessierte Mitarbeiter des ORF zu verkaufen“. Allerdings konnte der ORF nur 6150 Euro lukrieren – 19.350 Euro bleiben offen. Der Grund: Es habe „völlig unerwartet“ nur „äußerst geringes Interesse“ bestanden. Kritik war auch laut geworden, dass TV-Chefredakteur Karl Amon selbst beim Finale war. Laut Oberhauser werde Amon die Karten bezahlen. ORF-intern läuft seit Montag eine Untersuchung, warum so viele Karten ungenützt blieben.
„Sommergespräche“ noch „nicht fix“
Zweiter Stein des Anstoßes: Die schleppenden Planungen für die „Sommergespräche“. Daniel Kapp, Sprecher von ÖVP-Vizekanzler Josef Pröll, beklagte in einem E-Mail, dass man noch immer keine Informationen über das geplante Interview habe. Kanzler Werner Faymann (SPÖ) hingegen wisse schon, dass ihm Ingrid Thurnher und Magna-Chef Siegfried Wolf als Interviewer gegenübersitzen werden. Aus dem ORF heißt es dazu, dass auch diese Begegnung noch nicht fix sei – noch wird an Terminen gefeilt, die Idee mit den Managern als Kointerviewer müsse erst mit möglichen Kandidaten abgeklärt werden. Was die Örtlichkeit der Gespräche anlangt, so sei jedenfalls so gut wie sicher, dass sie nicht wie im Vorjahr im Freien stattfinden.
Eine andere Entscheidung ist hingegen so gut wie fix: Waltraud Langer soll Leiterin der TV-Magazine werden. Damit haben ORF-Chef Alexander Wrabetz und Oberhauser nicht nur den Wunsch der Redaktion (Peter Resetarits) übergangen, sondern auch den der ÖVP: Lisa Totzauer. Seither ist man dort nicht gut auf den ORF zu sprechen.
WM-KARTEN-AFFÄRE
■Um 25.500 Euro hat der ORF ein Kartenkontingent für die Fußball-WM in Südafrika gekauft. Davon wurden nur Karten im Wert von 6150 Euro verkauft – 19.350 Euro bleiben offen. ORF-Finanzdirektor Richard Grasl prüft nun, wie es dazu kommen konnte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2010)