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Bilanz

„Der Sprachverkehr hat sich verdoppelt“

Thomas Arnoldner ist seit 2018 Chef der Telekom Austria.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der Chef von A1 Telekom Austria, Thomas Arnoldner, sieht hohe Ausschläge bei der Datennutzung.

„Stellen Sie sich vor, wie wir die Krise vor 20 Jahren bewältigt hätten“, sagt Thomas Arnoldner, Vorstandsvorsitzender von A1 Telekom Austria, zur „Presse“. Es hätte keine Videokonferenzen, kein Homeoffice, keinen Online-Unterricht und kein elektronisches Rezept geben.

In der ersten Woche der Ausgangsbeschränkungen habe sich der Sprachverkehr teilweise verdoppelt, sagt der Chef des Telekomunternehmens. Aktuell liege er 20 bis 30 Prozent über dem Durchschnitt. „Auch beim Datenverkehr gab es zu Beginn des Lockdowns einen Anstieg von 30 Prozent.“ Jetzt liege der Wert immer noch zehn bis 20 über dem normalen Niveau.

Einen großen Einfluss auf die Geschäftsergebnisse im ersten Quartal durch Covid-19 sieht Arnoldner nicht. Das Jahr beginnt der teilstaatliche Konzern mit einem Anstieg des Nettogewinns von vier Prozent. Dennoch könne man sich der Krise nicht entziehen, bleibt Arnoldner im Gespräch mit der „Presse“ zurückhaltend. So seien die Roaming-Umsätze ein wichtiger Ergebnisbeitrag und es sei schwer abzuschätzen, wie schnell die Menschen wieder anfangen zu reisen. Außerdem sorgt er sich um Zahlungsausfälle. Die ersten Kunden hätten schon um einen Zahlungsaufschub ersucht. Hierfür wurde mit erhöhten Rückstellungen vorgesorgt.

„Wir können heute schwer abschätzen, wie sich die Wirtschaftskrise nach dem Lockdown entwickeln wird“, erklärt Arnoldner. Daher gibt der Konzern auch noch keinen Ausblick auf das Jahresergebnis. Ursprünglich waren Investitionen in Höhe von 770 Millionen Euro geplant. Durch die Krise könne auch hier keine Vorhersage getroffen werden.

Dividende bleibt bei 23 Cent

Viele Unternehmen haben ihre Dividende schon gekappt. Die Aktionäre der Telekom Austria, vorrangig die beiden Mehrheitseigentümer América Movíl und die Republik Österreich, dürfen sich hingegen weiter auf eine Dividende von 23 Cent freuen. „Grundsätzlich ist die Dividende, die wir heuer zahlen der Anteil unserer Anleger am erfolgreichen Geschäftsjahr 2019. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, den Dividendenvorschlag unverändert zu lassen.“ In Zukunft könne man aber auch mittels einer Dividendensenkung auf die Krise reagieren.

Schon vor der Krise war der Personalabbau ein großes Thema. Auch im ersten Quartal wurde dieser in Österreich weiter vorangetrieben, wenn auch nicht so stark wie in den Quartalen zuvor. „Es war in dieser Phase mit der Umstellung von Büro ins Homeoffice schwierig, diese Gespräche zu führen. Die Prioritäten lagen wo anders.“ In den kommenden Quartalen werde die Restrukturierung aber fortgesetzt. Derzeit sind 78 Prozent der Österreich-Mitarbeiter im Homeoffice. Das sei „sensationell gut“ abgelaufen. „Wir profitieren davon, dass wir mit unseren Systemen und unserem Mindset bei der Digitalisierung weiter sind als andere“, sagt der Konzernchef.

A1 liefere Analysen über das Mobilitätsverhalten der Österreicher datenschutzkonform an den heimischen Krisenstab. Damit sei ablesbar, wie sich die Lockerungen auf das Bewegungsverhalten auswirke. So könne Technologie helfen, die Krise zu bewältigen.