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Die neue Sportivität

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APA/HANS PUNZ
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In der terminarmen Zeit war Bewegung hoch im Kurs. Wie lange wird das so bleiben?

Der Terminkalender hat sich in den vergangenen Wochen von selbst geleert. In meinem altbewährten Taschenbüchlein zeugen fett durchgestrichene berufliche Verabredungen, Seminare, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Arzttermine davon. Es ist – rund um das äußerst fordernde Home-Office – viel Zeit geblieben. Es hat in dieser aber ungewöhnlich wenig zu tun gegeben. Einmal abgesehen von Sport.

Das Laufen (bzw. Spazieren) ist zum Lichtblick und Fixpunkt vieler geworden. Immerhin ist es auch einer von nur vier von der Regierung kommunizierten Gründen gewesen, das Haus zu verlassen. So ist in den Bundesgärten, auf dem Wiener Donaukanal und entlang des Rings das Sportleraufkommen deutlich höher als in Vor-Corona-Zeiten gewesen. Die Menschen schienen sportlicher zu werden. Mein subjektiver Eindruck ist aber von ersten Sportumfragen widerlegt worden. Bei rund der Hälfte der Österreicher hat sich die sportliche Aktivität in der Krise nicht verändert. Fast ein Drittel macht sogar weniger Bewegung (hierzu sind wohl die Vereins- und Mannschaftssportler zuzählen). Zugleich haben aber 21 Prozent ihre Sportaktivität gesteigert. Das zeigte eine erst kürzlich veröffentlichte Studie von Research Affairs.

In den nächsten Tagen wird das gesellschaftliche Leben langsam wieder erwachen. Die Terminkalender werden sich wieder füllen. Die ersten Einladungen zu nachträglichen Geburtstagsfeiern (im kleinen Rahmen und mit großem Abstand) sind schon eingetroffen. Es wird, wie die Regierung es formuliert, eine „neue Normalität“ geben. Als Teil der 21 Prozent, die in den vergangenen Wochen ihre sportliche Aktivität gesteigert haben, frage ich mich: Wird es auch eine „neue Sportivität“ geben? Wie lange wird der abendliche After-Work-Lauf wichtiger als der After-Wort-Plausch bleiben? Ich werde mir zur Sicherheit nun schon einmal ein paar unaufschiebbare Sporttermine in den Kalender eintragen.