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Banken: „Attac“ will eine Bank gründen

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(c) Clemens Fabry
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Am Montag hat Attac Berichte bestätigt, wonach man die Gründung einer Bank unterstütze – allerdings keiner gewinnorientierten, sondern einer gemeinnützigen. Das Geld soll durch Private und Unternehmen aufgebracht werden.

Wien(b.l.). An der Finanzwelt lässt die globalisierungskritische Organisation „Attac“ normalerweise kein gutes Haar. „Das profitorientierte Bankensystem ist maßgeblich für die Finanzkrise verantwortlich“, heißt es denn auch in der jüngsten Aussendung der Organisation. Am Montag hat Attac Berichte bestätigt, wonach man selbst die Gründung einer Bank unterstütze– allerdings keiner gewinnorientierten, sondern einer gemeinnützigen. Das Geld soll durch Private und Unternehmen aufgebracht werden. „Wir brauchen 5000 Leute, die sich mit 1000 bis 10.000 Euro beteiligen wollen“, sagt Attac-Österreich-Gründer Christian Felber zur „Presse“. In einem Jahr will man ein Genossenschaftskapital in Höhe von 25 Millionen Euro zusammen haben.

Dann will man um eine Banklizenz ansuchen. Denkbar sei auch, dass man eine ausländische Lizenz erwirbt. Oder dass eine Person mit einer ruhenden österreichischen Banklizenz Gefallen an der Idee findet. „Theoretisch könnte es auch jede Raiffeisenbank oder Sparkasse sein, die wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren will“, sagt Felber. 2012 soll das neue Institut an den Start gehen.

Die Erteilung einer Banklizenz durch die Bankenaufsicht ist laut Bankenverband ein langwieriges Verfahren. Neue Banklizenzen seien in Österreich überhaupt selten. Relativ oft erhalten Töchter ausländischer Banken eine Lizenz. „Und das sind meist renommierte Institute, keine Neueinsteiger“, heißt es beim Bankenverband.

 

Attac steckt sich hohe Ziele

Die Gründung erfolge nicht durch Attac, sondern durch die „Zivilgesellschaft“, betont Felber. Bei Vorträgen habe er festgestellt, dass stets 20 bis 100Prozent der Anwesenden bereit wären, eine nicht gewinnorientierte Bank mit 1000 Euro zu zu unterstützen.

Bei der neuen Bank soll alles anders sein: Kreditzinsen werden so berechnet, dass sie die Kosten der Bank inklusive Kreditausfälle decken. Die Sparzinsen sollen die Inflation ausgleichen, heißt es in einem Positionspapier von Attac. Darüber hinaus soll es keine Gewinne geben– weder für Sparer noch für die Bank. Die Gehälter sollen zwischen 1500 und 5000 Euro im Monat liegen.

Ob man nicht Sorge habe, dass künftig nur Kreditnehmer vorstellig werden, aber keine Sparer? Nein, meint Felber. „Viele Menschen fragen, ob sie nicht heute schon etwas einzahlen können.“

Die Nachfrage nach gemeinnütziger Veranlagung ist vorhanden. So vergibt die Organisation Oikocredit mit Anlegergeldern Kleinunternehmerkredite in der Dritten Welt. Die Anleger erhalten zwei Prozent Zinsen. In Österreich hat die Genossenschaft 1900 Mitglieder. Seit Kurzem gibt es auch eine gemeinnützige Vorsorgekasse: „Fair Finance“ strebt einen Marktanteil von fünf Prozent in Österreich an.

Bei Attac hat man größere Pläne. „Langfristig wollen wir den gesamten Bankensektor auf Gemeinwohlorientierung umstellen“, heißt es in dem Positionspapier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2010)