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Nabuccos Feinde in den eigenen Reihen

Die RWE droht, die Nabucco-Pipeline der EU zu Fall zu bringen. Politiker werden aufheulen, dabei ziehen sie die Fäden im Konzern.

Jetzt ist es so weit. Der erste Partner des EU-Prestigeprojektes Nabucco überlegt, die Fronten zu wechseln. Statt Gas aus der kaspischen Region in die EU zu bringen und den Kontinent so von der energiepolitischen Fessel Russlands zu befreien, denkt die deutsche RWE über den Einstieg bei der Konkurrenz-Pipeline South Stream nach. Zwar loben alle Beteiligten die Nabucco, dementieren wollte die RWE die Gespräche mit Russlands Gasmonopolisten Gazprom dann aber doch lieber nicht.

Ein Grund zur Freude für Altkanzler Gerhard Schröder, der den Deal als europäischer „Botschafter“ von Gazprom eingefädelt haben dürfte. Laut aufheulen wird hingegen die aktive Politikerriege, sollte die RWE den Wechsel tatsächlich vollziehen. Ganz unschuldig wären sie daran aber nicht. Denn es ist die öffentliche Hand, die als einer der Haupteigner immer noch ein beträchtliches Wörtchen bei der RWE mitzureden hat.

Oder haben hier gar die ökonomischen Argumente über die politischen gesiegt? Wie bei der OMV, die das österreichische Teilstück der South Stream baut, um mehr Gas zu ihrem Verteilzentrum in Baumgarten zu bringen? Mitnichten. Vom Einstieg bei der South Stream würde die RWE kaum profitieren. Die Pipeline ist fast doppelt so teuer wie die Nabucco, Zugang zu russischen Reserven hat die RWE längst. Weder der Konzern noch seine Eigentümer in der Politik können es sich also leisten, die oft beschworene gemeinsame Energiepolitik der EU dafür zu opfern.


matthias.auer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2010)

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