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Gastkommentar

Kommt nun eine Renaissance der Sozialdemokratie?

Peter Kufner
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Stärkt die Coronakrise die zuletzt vielerorts so geschwächte Sozialdemokratie? In Österreich wohl kaum.

Sebastian Kurz entschwindet in lichte Höhen, und die ÖVP liegt in den jüngsten Umfragen bei weit über 40 Prozent. Die CDU kratzt wieder an der 40-Prozent-Marke, und die Beliebtheitswerte, deren sich Angela Merkel in ihrer Abendsonne erfreut, sind so etwas wie der Oscar für ihr politisches Lebenswerk. Den sie sich, alles in allem genommen, wohl verdient hat.

Einen ähnlichen Höhenflug erleben allerdings auch die dänische sozialdemokratische Ministerpräsidentin und ihre Partei. Die Krise ist eben die Stunde der Chefs. Egal, ob man wie der österreichische Kanzler im Stil eines Chief Executive oder wie seine deutsche Kollegin im Stil eines Chairman of the Board führt.

Das Virus kennt keine Ideologie. Und der Wähler im Moment auch nicht. Er belohnt einfach die, denen er das Meistern der Krise zutraut. Das mit der fehlenden Ideologie wird aber nicht lang so bleiben.

Ein Sager von Bruno Kreisky, adressiert an die Arbeiter der Voest, ist allen, die den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler noch live erlebt haben, sicher in Erinnerung geblieben. Dass ihm 5000 Arbeitslose mehr schlaflose Nächte bereiten würden als fünf Milliarden Schilling Schulden. Und wenn dieser Satz damals weit über die Voest hinaus ungemein wirkmächtig gewesen ist, ist er in den Folgejahrzehnten zur Kurzfassung all dessen geworden, was an sozialdemokratischer Wirtschafts- und Budgetpolitik falsch ist.