Schnellauswahl
Mein Samstag

Heimarbeit, Woche sieben

Auch der Schnittlauch hat einen Namen bekommen.
Auch der Schnittlauch hat einen Namen bekommen.(c) imago images/CHROMORANGE
  • Drucken
  • Kommentieren

Ich würde die Anekdoten, die ich Ihnen gleich erzähle, gern den sieben Heimarbeitsschulwochen und dem daraus resultierenden langsam ausbrechenden Wahnsinn zuschreiben, muss aber gleich einräumen, dass das alles Monate, ja, Jahre vor dem Lockdown begonnen hat.

Irgendwann nämlich haben bei uns daheim einige Gegenstände zu sprechen begonnen. Wenn ich nicht irre, ist es im Bad losgegangen: Um das Kind zu motivieren, sich ins Nachtgewand zu begeben und die Diskussion um das Zähneputzen abzudrehen, haben der Pyjama und die E-Zahnbürste Namen, Stimmen (also meine, verstellt) und somit Persönlichkeiten bekommen, die zur Erheiterung des Kindes bis heute immer wieder loslegen (müssen).

Der Pyjama heißt, da auf ihm exotische Tiere aufgedruckt sind, Exotico. Exotico ist ein gutmütiger Kerl, nur wenn er in die Schmutzwäsche muss, bekommt er einen Wutanfall, den natürlich ich mit verstellter Stimme spreche. Und Henrietta, die elektrische Zahnbürste, protestiert lautstark an jenen Abenden, an denen sich das Kind für die altmodische normale Zahnbürste entscheidet.

Wenn Sie das alles schon ein bisschen wunderlich finden (tatsächlich sorgen Henriettas Krisen für extrem gute Laune beim Kind), dann passen Sie einmal auf, was jetzt passiert ist: Vor ein paar Tagen habe ich einen Topf Schnittlauch gekauft, der vom Kind einen Namen bekommen hat (Lauchi) und sich insgesamt ruhig verhält. Außer ich wage es, ihm ein paar Blätter (ja das heißt auch beim Schnittlauch so, ich hab es extra gegoogelt) abzuschneiden. Da zuckt Lauchi, gesprochen vom Kind, aus – und auch dass ich ihn, da er intensiv riecht, aus dem Wohnzimmer verbannt habe und er nun nicht mehr neben Peter (der Petersilie, genau) stehen darf, gefällt Lauchi gar nicht. Unsere unzerstörbare Ikea-Pflanze heißt übrigens Mr. Green. (Haben Sie jetzt auch die Werbung des gleichnamigen Wettanbieters im Ohr?) Auf meiner To-do-Liste habe ich neulich tatsächlich vermerkt: Mr. Green umtopfen. So weit ist es gekommen. Es wird echt Zeit, dass das normale Leben wieder losgeht! In diesem Sinn: Halten Sie noch durch!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com