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Mein Montag

Der Tschoklad und der, die oder das Nutella

Die Presse (Clemens Fabry)
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Warum Schokolade auch männlich sein kann. Und wie ein Brotaufstrich auf alle Regeln einfach pfeift.

Können wir uns dann bitte endlich einmal einig sein? Dass das Genus von Germ und Butter Stoff für sprachliche Grabenkämpfe hergibt, haben wir in den vergangenen Tagen gelernt. Aber beim Genuss schlägt das Genus noch öfter zu, dann nämlich, wenn es um Schokolade geht. Zwar ist es in der Schriftsprache gar keine Diskussion, sowohl Duden als auch Österreichisches Wörterbuch kennen nur den weiblichen Artikel, doch in einigen Gegenden des deutschsprachigen Raumes, vornehmlich im süddeutschen und österreichischen, kennt man auch noch die männliche Form. Wobei da eher selten das standarddeutsche Schokolade zu hören ist, sondern der Schokolad (mit langem a), gerne verkürzt zu Schoklad oder als Tschoklad ausgesprochen. Ganz unlogisch ist das nicht. Denn ursprünglich stammt der Begriff aus dem Nahuatl, einer Sprache, die von den Azteken in Mexiko gesprochen wurde. Und als mit dem Genussmittel auch der Begriff nach Europa kam, passte er sich den regionalen Sprachgewohnheiten an. Sowohl im Spanischen chocolate als auch im Französischen chocolat bekam das Wort einen männlichen Artikel. Und auf Deutsch fand sich im 18. Jahrhundert auch der Schokolat. Warum der Begriff dann plötzlich weiblich wurde? Gute Frage, vielleicht eine Angleichung an andere Wörter mit der Endung -ade, die weiblich sind. (Oder gibt es hier jemanden, der „der Marmelade“ sagt?)

Weitgehend einig sind wir uns aber, dass Nutella eindeutig – nun, nicht wirklich. Der Brotaufstrich ist ein Fantasiewort, das theoretisch mit allen drei Artikeln versehen werden kann. Wobei der Nutella selten ist, die und das Nutella aber beide immer wieder verwendet werden. Wie sagen Sie denn? Aber, die viel wichtigere Frage ist ja eigentlich: Butter zwischen Brot und Nutella, ja oder nein? So, jetzt dürfen Sie wieder streiten!

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2020)