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Arbeitsmarkt

571.000 Arbeitslose, Kurzarbeit für 1,25 Millionen Jobs

Besonders betroffen von der Coronakrise ist das Gastgewerbe (im Bild ein geschlossenes Lokal am Wiener Gürtel).
Besonders betroffen von der Coronakrise ist das Gastgewerbe (im Bild ein geschlossenes Lokal am Wiener Gürtel).(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Die Coronakrise hat den Arbeitsmarkt voll erfasst: Ende April gab es um rund 210.000 mehr Arbeitslose als ein Jahr zuvor. Arbeitsministerin Aschbacher sieht aber bereits ein leichtes Abflachen der Kurve.

Mit Ende April 2020 waren 522.253 Personen beim AMS arbeitslos vorgemerkt. In AMS-Schulung befinden sich aktuell 49.224 Personen. Insgesamt sind somit 571.477 Personen in Arbeitslosigkeit oder in Schulung. Das sind um 58,2 Prozent bzw. 210.275 Personen mehr als im Vorjahr - und ein neuer historischer Höchststand. Auch gegenüber Ende März mit 562.522 von Arbeitslosigkeit Betroffenen gab es noch einen Anstieg. Die Arbeitslosenquote stieg um 5,5 Prozentpunkte auf 12,8 Prozent. Die Arbeitslosigkeit stieg in allen Altersgruppen, in allen Branchen und in allen Bundesländern sehr stark. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank um ein Drittel.

„Den bisherigen Höhepunkt haben wir aus jetziger Sicht am 13. April mit insgesamt 588.205 Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern erreicht. Seither sehen wir bei den Arbeitslosenzahlen ein leichte Abflachung der Kurve“, teilte Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) am Montag mit. Im Vergleich zum Höchststand Mitte April ist die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer um rund 19.000 Personen gesunken.

Die größten Zuwächse an Arbeitslosen gibt es im Tourismus (+148,5 Prozent), gefolgt von der Baubranche (+111,9 Prozent). Danach folgen die Warenproduktion (+66,6 Prozent) und der Handel (63,4 Prozent), die Arbeitskräfteüberlassung (59,7 Prozent) sowie das Gesundheits-und Sozialwesen (56,0 Prozent).

Steigende Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr verzeichnen alle Bundesländer, am stärksten ist der Zuwachs in Tirol (+119,2 Prozent) und Salzburg (+101,8 Prozent). Es folgen die Steiermark (+100,6 Prozent), Oberösterreich (91,0 Prozent), das Burgenland (+84,3 Prozent), Kärnten (+78,7 Prozent), Vorarlberg (+78,6 Prozent), Niederösterreich (+69,8 Prozent) und Wien (56,2 Prozent).

Ende April 2020 standen beim AMS 53.846 offene Stellen zur Verfügung. Insgesamt konnten in diesem Jahr 212.693 Personen aus AMS-Vormerkung heraus wieder Arbeit aufnehmen. Freilich: Für rund 1,25 Millionen Beschäftige wurde wegen der Coronakrise Kurzarbeit angemeldet.

8,8 Milliarden Euro für Kurzarbeit genehmigt

Aktuell sind beim Arbeitsmarktservice 104.007 Anträge auf Corona-Kurzarbeit in Bearbeitung (Stand Freitag, 1. Mai). Davon sind bei 100.281 Anträgen ausreichend Informationen vorhanden. Diese Anträge sichern rund 1,25 Millionen Arbeitsplätze. 91.460 Anträge mit einer Bewilligungssumme von fast 8,8 Milliarden Euro wurden bereits genehmigt. Rund 40 Millionen Euro wurden bereits ausgezahlt. Das AMS und die Buchhaltungsagentur arbeiten die Abrechnungen derzeit fast taggleich ab.

Die Zahl der Anträge ist in allen Bundesländern leicht gestiegen. Spitzenreiter ist nach wie vor Wien mit 23.157 Anträgen, gefolgt von Niederösterreich mit 17.674 Anträgen und Oberösterreich mit 17.178 Anträgen. Die weitere Verteilung: Steiermark 13.785 Anträge, Tirol 9708 Anträge, Salzburg 8107 Anträge, Kärnten 6133 Anträge, Vorarlberg 5.200 Anträge, Burgenland 3065 Anträge.

AK-Chefin fordert Arbeitsmarktoffensive 

In Wien trifft sich am Montag die Spitze der Regierung mit den Sozialpartner, um Maßnahmen für Standort und Beschäftigung zu besprechen. AK Präsidentin Renate Anderl hat im Vorfeld ihr Programm für eine Arbeitsmarktoffensive vorgelegt. „Unser Ziel muss sein, die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahre auf das Niveau vor der Coronakrise zu senken – und ich sage das ganz bewusst in diesen Worten: Koste es was es wolle.“ Auch die Höhe des Arbeitslosengeldes müsse laut Anderl Thema sein: „Arbeitslose Menschen haben 100 Prozent der laufenden Kosten, aber nur 55 Prozent Einkommen. Arbeitslosigkeit macht arm – das geht so nicht!“

Die Erhöhung des Arbeitslosengeldes würde laut AK rund eine Milliarde Euro kosten. Weitere 100 Millionen solle die Regierung für ein Fachkräftestipendium bereit stellen, das den Ausbildungsschwerpunkt Pflege- und Gesundheitsberufe haben und neue Jobperspektive für besonders betroffene Branchen wie Tourismus bringen soll. Als Sofortmaßnahmen gefordert werden auch die Aufstockung des AMS-Personals und dauerhaft 500 mehr Planstellen und die Möglichkeit der Verlängung von Covic 19-Kurzarbeit.

Trübe Aussichten in der Schweiz

Die kurzfristigen Aussichten auf dem Schweizer Arbeitsmarkt haben sich wegen der Coronapandemie klar verschlechtert. Außer der Versicherungsbranche gehen alle Sektoren von einem markanten Stellenabbau in den kommenden Monaten aus. Der sogenannte Beschäftigungsindikator der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) weist für das zweite Quartal 2020 einen Wert von -19,9 Punkten auf. Im vergangenen Quartal lag er noch bei 2,9 Punkten (revidiert von 3,9 Punkten). Gegenwärtig liege der Vorlaufindikator somit tiefer als während des Höhepunkts der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, teilte die KOF am Montag mit.

Damals erreichte er im zweiten Quartal 2009 - zum Höhepunkt der Krise - einen Wert von -16,5 Punkten. Zudem hat sich der Rückgang des Indikators damals auf drei Quartale verteilt, während sich der gegenwärtige Absturz auf ein einziges Quartal konzentriert, wie es in der Mitteilung weiter heißt.

Wie vor gut 10 Jahren sei aber auch heuer davon auszugehen, dass sich die starke Bewegung beim Indikator in einem bedeutenden Rückgang der Beschäftigung widerspiegeln werde. Aktuell sei der Beschäftigungsindikator für das Gastgewerbe, das aufgrund der Coronapandemie von einer kompletten Schließung betroffen ist, am stärksten eingebrochen.

Doch auch in fast allen anderen Branchen haben sich die Beschäftigungserwartungen stark verschlechtert. Hervorzuheben seien der Einzelhandel und der Bausektor. Obwohl beide Sektoren nur von einer Teilschließung betroffen seien, gingen diese Unternehmen von einem starken Personalabbau in den nächsten Monaten aus, hieß es.

Starke Rückgänge verzeichneten auch viele übrige Dienstleistungsbranchen wie etwa das Verkehrswesen. Diese Branchen hätten den Beschäftigungsindikator zuvor jahrelang stabilisiert. Der einzige Wirtschaftsbereich mit weiterhin positiven Beschäftigungserwartungen sei der Versicherungssektor, schrieb die KOF.