Schnellauswahl
Stadtportrait

Sloweniens schönste Terrassen-Siedlung

Radovljica und sein Linhart-Platz: Es ist lauschig und nicht so überlaufen wie Bled.
Radovljica und sein Linhart-Platz:lauschig und abseits des Massentourismus.Jost Gantar
  • Drucken

Das kleine Radovljica gilt als eine der ansehnlichste Städte Sloweniens - schön restauriert steht sie wie auf einem Balkon über der Sava. Im Hintergrund ragen die Karawanken und die Julischen Alpen auf.

Der Name Radovljica geht den Besuchern nicht so leicht über die Lippen wie zum Beispiel „Bled“. Auch weniger international (sprich: überlaufen) ist diese kleine Stadt im alpenländischen Slowenien als ihr berühmter Nachbar mit seinem See, der Insel und dem bekannten Tito- oder Habsburger-Bezug. Radovljica in Gorenjska (früheres Oberkrain) ist ein kulinarisches und kulturelles Ausflugsziel beziehungsweise ein guter Ausgangspunkt für die intensivere Erkundung des Umlandes. Schließlich bauen sich hinter Radovljica (das frühere Radmannsdorf) – oder kurz: Radol'ca – die Gipfel der Karawanken, und etwas westlich davon, der Julischen Alpen auf, darunter der Triglav, der höchste Berg des Landes, mitsamt seinem Nationalpark.

Erhöhte Lage: Radovljica in Oberkrain.
Die erhöhte Lage macht Radovljica zusätzlich reiszvoll. Bis ins 18. Jahrhundert war der Ort wirtschaftlich bedeutend.Miran Kambič

Unterhalb fließt die Sava vorbei, beziehungsweise der Zusammenfluss von Sava Bohinjka und Sava Dolinka. Dafür, dass die Stadt recht spektakulär positioniert ist – sie streckt sich auf einer hohen Terrasse aus – sorgt auch ein mittelalterlicher Stadtgraben. Dadurch ergeben sich lauschige Aussichtspunkte.

Spätmittelalterliche Häuser am Linhart Platz

Nicht oft ist ein historisches Stadtbild in Slowenien so geschlossen erhalten: Entlang des zentralen Linhart-Platzes (benannt nach dem slowenischen Dramatiker Anton Tomaž Linhart) reiht sich spätgotische Architektur aus dem 16. Jahrhundert an Renaissance- und Barockbauten an Substanz aus dem 18. Jahrhundert (danach verlor die Stadt als Handelsplatz von Erz, Salz und Wein ihre wirtschaftliche Bedeutung). Schön freskierte Fassaden wechseln ab mit stilistisch strengem Dekor. Das Urbane fügt sich in die ländlichere Anmutung, sobald man die Fußgängerzone verlässt.

Im Šivec-Haus in Radovljica (Slowenien) ist ein Imkereimuseum zu sehen.
Das Šivec-Haus: späte Gotik erwartet einen hinter der freskierten Fassade.Miran Kambič, arhiv Turizem Radovljica

Besonders sticht das Šivec-Haus hervor, draußen zeigt der Bau eine biblische Szene, drinnen steht man unter einem Kreuzrippengewölbe. Fast monumental für den Stadtkern wirkt das Schloss Thurn (Barocksaal), in dem sich ein großes Imkerei-Museum befindet, sehenswert, weil von Radovljica aus Errungenschaften für die Apikultur in die Welt hinausgingen. Einmal ums Eck steht eine spätgotische Kirche, auf dessen Vorplatz man im Schatten eines Baumriesen sitzen und den Klängen nachhängen kann, die von den Proben aus dem Schloss herüberwehen (das Festival Radovljica widmet sich der Alten Musik). Sofern man nicht schon in einem der Gastgärten gesessen ist und sich durch die slowenische Küche gekostet hat.

Kulinarisch stark mit Wild, Wurst, Schokolade

Was Essen in Radol'ca heißt: deftig im Ansatz, aber meist leichter zubereitet. Von der Blut- bis zur Selchwurst. Vom Gamsgulasch bis zur Kalbsleber. Was lokale Speisen und Produkte sind, zeigt in den Karten eine Biene an. Urig sind viele Gasthäuser, kommod zum Sitzen, idyllisch die meisten Gärten. Ein paar Lokale wiederum geben sich stylish, städtisch, einige sind Anlaufstelle für Gäste von weiter her. Dies gilt beispielsweise für die Vila Podvin – Uroš Štefelin zählt zu den besten Chefs des Landes (drei Hauben in der slowenischen Ausgabe des Gault-Millau).
Vor allem die süße Kompetenz (dank Imkerei) hat dazu geführt, dass seit Jahren im Frühling ein kulinarisches Großevent stattfindet, bis auf heuer: Beim Schokoladenfestival sind Manufakturen und Chocolatiers aus Slowenien und darüber hinaus vertreten. Imkerei-Produkte finden sich in den kleinen Läden, Lebkuchen im Lectar-Haus; und man hätte auch die Gelegenheit, vor Ort viel lokales Biogemüse auf den Heimweg mitzunehmen. Wenn man denn auf direktem Weg zurück wollte. Aber eine Wanderung an der Sava, in den Karawanken (etwa mit Aufstieg auf den Begunščica-Kamm) oder im Triglav Nationalpark wird man nicht versäumen wollen.

Slowenien alpin

Vor Ort in Radovljica: Kulturgüter, Gastronomie, Events, Aktivitäten www.radolca.si, www.slovenia.info
Hinkommen: Eine schöne Strecke durch die Karawanken führt von Kärnten über den Loiblpass. Gleich nach Tržič rechts abbiegen, durch Hudi Graben nach Begunje, weiter nach Radovljica.
Wandertipp: In den Karawanken am Hirtenweg in Begunje. Rundweg ab/bis Draga-Tal über Almen und mit Aufstiegsoption auf den Gipfel des Begunščica-Kamms.