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Lisa Eckhart

Österreichischer Kabarettistin wird Antisemitismus vorgeworfen

Lisa Eckhart(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Lisa Eckhart machte sich über die MeToo-Debatte und über Juden lustig. In der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ und im deutschen Feuilleton werden der Auftritt und das deutsche Fernsehen heftig kritisiert.

„Kunst muss den Betrachter zutiefst verachten, erst dann schätze ich sie als solche“, sagte die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart 2018 zur „Presse“. Mit Sätzen wie diesem, zynischen Pointen und exaltiertem Auftreten machte sich die Steirerin als Provokateurin einen Namen. Doch nun wird ihr in Deutschland Antisemitismus vorgeworfen. Denn in einem Auftritt der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ machte sie sich über politische Korrektheit lustig – und über die Rolle der Juden in der MeToo-Debatte. Schließlich seien Harvey Weinstein, Woody Allen und Roman Polanski, denen sexuelle Bergriffe vorgeworfen werden, alle Juden. „Es ist ja wohl nur gut und recht, wenn wir den Juden jetzt gestatten, ein paar Frauen auszugreifen“, sagte die Kabarettistin in der Show. Mit Geld sei ja nichts gutzumachen. „Den Juden Reparationen zu zahlen, das ist, wie dem Mateschitz ein Red Bull auszugeben.“ Zwar nennt auch andere Minderheiten, aber „am meisten enttäuscht es von den Juden“, so Eckhart. „Da haben wir immer gegen den Vorwurf gewettert, denen ginge es nur ums Geld, und jetzt plötzlich kommt raus, denen geht's wirklich nicht ums Geld, denen geht's um die Weiber, und deshalb brauchen sie das Geld.“

Der Auftritt stammt aus dem September 2018, doch erst vor Kurzem wurde Tom Uhlig, Autor der deutschen Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“, über die Facebook-Seite des WDR darauf aufmerksam. „Es schlagen Minderheiten Ressentiments entgegen, die eine preisgekrönte Künstlerin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auch noch schürt“, schrieb er und forderte den WDR auf, das Video zu entfernen. Der öffentlich-rechtliche Sender reagierte bisher nun mit einem Statement: Die Künstlerin erörtere „die Schwierigkeiten im Umgang mit Minderheiten, mit Schutzwürdigen, mit Verehrungswürdigen, wenn diese Personengruppen sich Verfehlungen leisten, schuldig werden oder straffällig.“ Die Kritik in der „Jüdischen Allgemeinen“ wurde nun schärfer. „Die Verbreitung judenfeindlicher Stereotype ist und bleibt Antisemitismus. Deswegen fordere ich, dass das Video aus der Mediathek genommen wird“, formulierte Hessens Antisemitismus-Beauftragter, Uwe Becker (CDU). Ähnlich reagierte die linke „Taz“: Für sie stand neben Eckhart ein „weiterer Klassiker auf der Bühne: der deutsche oder österreichische Clown, dem für zwei Minuten Fame kein bisschen Judenhass zu viel ist.“ Die „F.A.Z.“ ging  nicht direkt auf den Antisemitismus-Vorwuf ein, meint aber: „Zusammenfassen lässt sich ein Großteil ihres Programms mit ,Stellt euch mal nicht so an'.“ Auf Dauer sei das „langweilig“.

Eckhart selbst erklärte zu Political Correctness und Antisemitismus im März 2019 in der „Presse“: „Wer über Burgenländer oder Juden witzelt, ist geschmacklos, heißt es. Einem englischen Comedian wurden Vorwürfe gemacht, weil er Vergewaltigungswitze gemacht hat. Falsch! Vergewaltigung ist geschmacklos, nicht der Witz darüber. Denn der Humor ist schon die Abwehrreaktion. Indem man ihn auslöscht, wird das tatsächliche Problem nicht beseitigt.“

>> Antisemitismus aus der WDR-Mediathek

>> „Judenhass unter dem Deckmantel der Satire“ in der „Jüdischen Allgemeinen"

>> Artikel in der „Taz"

>> Artikel in der „F.A.Z.“ 

(her)