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Interview

Marina Abramović: „Ist es das wert, alles der Liebe zu opfern?“

Marina Abramovic im Münchner OpernhausWilfried Hösl
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Marina Abramović verbrachte die vorigen Wochen in München (und Fuschl). Der „Presse“ erzählte die Grande Dame der Performance über ihre Callas-Oper, die Anschuldigungen, Satanistin zu sein, und die virtuelle Zukunft der Kunst.

Die Presse: Corona hat Sie während Ihrer Arbeit an der Oper „7 Deaths of Maria Callas“ für die Bayerische Staatsoper in München erwischt, wo Sie daher die letzten Wochen verbringen mussten. War es schwierig, die Quarantäne nicht in Ihrem Zuhause in New York zu verbringen?

Marina Abramović: Gar nicht. Ich bin eine Nomadin, bin alle zwei Wochen woanders. Mein Zuhause ist mein Körper. Auch die Isolation ist ein Zustand, den ich kenne. Ich empfinde Einsamkeit als inspirierend und voller Lernprozesse. Die Leute sollten aufhören damit, die Zeit zu verschwenden, sich selbst leidzutun, und lieber ein Buch lesen.

Sie haben in einer Videobotschaft für Ihre Wiener Galerie Krinzinger empfohlen, sich Blumen ans Fenster zu stellen und vor diesen zu meditieren.

Ich ging dabei von Matisse aus, der während des Zweiten Weltkriegs nicht wie viele andere die Grausamkeit gemalt hat, sondern Blumen. Corona ist kein Weltkrieg, sondern ein stiller Krieg. Wir müssen die Angst bekämpfen. Wenn wir etwas Positives finden, können wir uns damit heilen. Etwa indem wir Blumen vor dem Fenster betrachten und uns dabei darauf konzentrieren, einfach nur anwesend zu sein.