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Gentechnik und Demagogie in der EU

Die Mitgliedstaaten entscheiden fortan selbst über Anbauverbote: Angstmacherei schlägt vernünftige Debattenkultur.

Die Biolandwirtschaft ist eine österreichische Erfolgsgeschichte. Knapp eine Milliarde Euro setzte die Branche im Jahr 2009 um. Jeder siebte Landwirt ist Biobauer. Es ist im ökonomischen Interesse dieser in allen politischen Lagern gut vernetzten Branche, für ein Verbot des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen zu lobbyieren.

Bloß: Mit diesem legitimen Kalkül gewinnt man die Herzen der Bürger nicht. Da muss man schon dicker auftragen und vor „Frankenfood“ und der Macht der bösen Agrarkonzerne warnen. Auch Politiker sind gegen den Reiz dieser wissenschaftsfeindlichen Demagogie nicht gefeit. So frohlockte die EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger von der ÖVP am Dienstag, jedes Land könne nun entscheiden, welche Art der Lebensmittelproduktion es wolle – „eine geschmacklose Massenabfertigung oder eine vielfältige, naturnahe Qualitätserzeugung“.

Wenn es nur so einfach wäre! Landwirtschaft ist in Europa – und Österreich ist da keine Ausnahme – längst eine Industrie. Von Biolebensmitteln allein würde die Welt nicht satt.

Darum ist die Rückgabe der Entscheidungskompetenz über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen an die Staaten so bedenklich. Statt mit dem Bürger aufgeklärt über die Gentechnik zu debattieren, haben die Agrarpolitiker plumpem Lobbyismus und Angstmacherei nachgegeben. Das ist pragmatisch – aber keine gute Politik. (Bericht: Seite 4)


oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2010)