Nach Ansicht der Erste Bank wird sich die Wiener Börse in den nächsten Monaten nicht vom Fleck bewegen. „Der ATX hält einen Sommerschlaf“, so Chefanalyst Mostböck. Erst im Oktober und November geht es aufwärts.
Wien (höll). Nach Ansicht der Erste Bank wird sich die Wiener Börse in den nächsten Monaten nicht vom Fleck bewegen. „Der ATX hält einen Sommerschlaf“, sagte Erste-Bank-Chefanalyst Fritz Mostböck am Dienstag vor Journalisten. Erst in den Monaten Oktober und November soll es leicht aufwärts gehen. „Trotz der bisherigen Schwächephasen kann es gut möglich sein, dass wir uns gegen Jahresende an die Marke von 2650 Punkten im ATX herantasten“, meint Mostböck. Mitte 2011 könnte sogar die Marke von 2800 Punkten erreicht werden. Derzeit hält der Wiener Leitindex bei rund 2370 Zählern.
Dabei waren die Erste-Bank-Experten zu Jahresbeginn viel optimistischer. Damals hatten sie für den ATX einen Höhenflug auf bis zu 3000 Punkte vorausgesagt. Mitte April fehlte nicht mehr viel auf 2800 Zähler– doch dann kam die Griechenland-Krise. Die Kurse brachen weltweit ein. Im ersten Halbjahr 2010 verlor der ATX mehr als acht Prozent. Die Negativliste wurde von der Pharmafirma Intercell mit einem Minus von 40 Prozent angeführt. Zu den Gewinnern zählten der Wiener Flughafen (23,7 Prozent), RHI (19,15 Prozent) und Andritz (13,5 Prozent).
Kritik an geplanter Börsenumsatzsteuer
Die Erste Bank rät Investoren zum „Stock Picking“, also nach jenen Werten zu suchen, die in den nächsten Monaten eine überdurchschnittliche Performance erzielen sollen. Ganz oben auf der Kaufliste stehen der Öl- und Gaskonzern OMV (Kursziel: 39 Euro), RHI (Kursziel: 32 Euro) und die Vienna Insurance Group (Kursziel: 44,5 Euro). Optimistisch ist Erste-Bank-Experte Günther Artner auch bei BWT, CATOil und KapschTrafficCom. Bei Uniqa und Palfinger rät Artner dagegen, die Aktien zu verkaufen. Wie ein Damoklesschwert schwebt über dem Wiener Finanzmarkt die Diskussion über die Einführung einer Börsenumsatzsteuer. Die Sozialdemokraten fordern, dass ab Anfang 2011 alle an der Börse getätigten Transaktionen mit 0,15 Prozent besteuert werden sollen. „Ein Alleingang Österreichs wäre negativ für den Kapitalmarkt und würde für Wien einen klaren Wettbewerbsnachteil bringen“, warnte Mostböck.
Laut einer von der Wiener Börse in Auftrag gegebenen Studie könnten durch die Abgabe die Umsätze um 15 Prozent zurückgehen. Mostböck erinnerte daran, dass auf dem heimischen Kapitalmarkt vor allem ausländische Investoren aktiv sind. So ist der Anteil von institutionellen Investoren aus den USA in den vergangenen zwölf Monaten von 21,6 Prozent auf 27,8 Prozent gestiegen. Die Amerikaner stellen damit die größte Gruppe dar. Zum Vergleich: Der Anteil österreichischer Investoren liegt bei 15,9 Prozent. Im Herbst wollen die Energieversorger Verbund und EVN an der Wiener Börse größere Kapitalerhöhungen durchführen. Allein beim Verbund geht es um ein Volumen von einer Mrd. Euro, davon wird der Staat die Hälfte beisteuern. Mostböck ist davon überzeugt, dass die Platzierung junger Aktien kein Problem darstellt.
AUF EINEN BLICK
■Der Wiener Leitindex ATX soll gegen Jahresende auf 2650 Punkte und bis Mitte nächsten Jahres auf 2800 Zähler ansteigen. Das glauben die Analysten der Erste Bank. Derzeit hält der ATX bei 2350 Punkten. Zu Jahresbeginn waren die Analysten noch optimistischer gewesen, doch dann kam die Griechenland-Krise und bremste den Anstieg.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2010)