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Textilindustrie

Modekrise trifft Lenzing

BILANZ-PK LENZING AG ´GESCH�FTSJAHR 2019´: DOBOCZKY
Der Lenzing-Vorstandsvorsitzende Stefan Doboczky streicht die Dividende.(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Der Faserhersteller streicht wegen der Coronakrise die Dividende für 2019.

„Die COVID-19-Krise beeinflusst die gesamte Textil- und Bekleidungsindustrie sehr negativ und erhöhte den Preis- und Mengendruck auf den Weltfasermarkt weiter“, kommentiert der Lenzing-Vorstandschef Stefan Doboczky die Quartalsbilanz. Der oberösterreichische Faserhersteller habe sich in „diesem äußerst schwierigen Marktumfeld“ behauptet.

Gewinn fällt um 60 Prozent

Doboczkys Einschätzung wirkt sehr optimistisch. Denn der Gewinn brach im ersten Quartal um rund 60 Prozent auf 17,7 Millionen Euro ein. Der Umsatz ging um rund 17 Prozent auf 466,3 Millionen Euro zurück.
Grund dafür seien die schwachen Faserpreise. Bis Ende März krachte der Preis für, die viel in Kleidung verwendete, Viskose auf ein Allzeittief. Die vergleichsweise positive Entwicklung des Spezialfasergeschäftes und die etwas höhere Nachfrage nach Fasern für den Medizin- und Hygienebedarf haben den Umsatzrückgang nur teilweise kompensiert. Der Anteil der Spezialfasern stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 47 Prozent auf 61 Prozent. Lenzing plant bis 2024 mehr als 75 Prozent des Faserumsatzes mit Spezialfasern wie Lyocell, Modal oder Veocel zu erzielen.

Dafür greift die Firma tief in die Tasche. Die Investitionen in immaterielle Anlagen, Sachanlagen und biologische Vermögenswerte haben sich im Startquartal mit 138,6 Millionen verdreifacht und soll Schlüsselprojekte in Brasilien und Thailand weiter vorantreiben.

In Österreich stieg Lenzing mit der Unterwäschefirma Palmers in die Produktion von Schutzmasken ein. Die neu gegründete GmbH Hygiene Austria, an dem Lenzing 50,1 Prozent hält, startete ab Mai 2020 mit der Produktion und dem Verkauf von Schutzmasken für den heimischen und europäischen Markt.

25 Mio. Masken pro Monat

Die beiden Unternehmen investierten mehrere Millionen Euro in den Produktionsstandort Wiener Neudorf. Zunächst stellt das Unternehmen sogenannte Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS) und OP-Schutzmasken der Klasse EN14683 her. Hygiene Austria LP plant, die Kapazitäten auf über 25 Millionen Masken pro Monat auszubauen und dieses Geschäft auch geografisch zu erweitern.

Einen konkreten Ausblick für das Geschäftsjahr 2020 wagt Lenzing vor der Ungewissheit um Corona nicht. Zu diesem Zeitpunkt erwartet Lenzing ein Ergebnis für das Geschäftsjahr 2020 unter dem Niveau von 2019. Der Vorstand habe seinen ursprünglichen Beschlussvorschlag von 1,00 Euro pro Aktie neu bewertet und sei dabei zum Ergebnis gelangt, „dass er dem Aufsichtsrat und der Hauptversammlung aufgrund der COVID-19-Krise vorschlagen wird, keine Dividende für das Geschäftsjahr 2019 auszuschütten“, teilte das Unternehmen mit.

Der Mehrheitseigentümer B&C würde die Entscheidung befürworten. Die Hauptversammlung ist nun für den 18. Juni 2020 in virtueller Form geplant. Sie war ursprünglich für den 17. März geplant, musste aber wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in Österreich verschoben werden.